Blutiger Dschungelkampf um Elefanten
Baku, den 18. Februar (AZERTAG). Grausames Gemetzel in Afrika: Wilderer haben in den vergangenen Jahren in Gabun offenbar mehr als 11.000 Waldelefanten getötet. Wächter wollen die Ausrottung der Tiere verhindern - tief im Dschungel geraten sie in Schießereien mit den Elfenbeinjägern.
Höchste Wachsamkeit ist geboten, wenn sich Joseph Okouyi und sein zehnköpfiges Team durch den dichten Regenwald kämpfen. Die Parkhüter patrouillieren durch den Minkébé-Nationalpark im äußersten Nordosten von Gabun und folgen den Spuren von Wilderern. Die illegalen Elfenbein-Jäger haben die seltenen Waldelefanten in den Nachbarländern bereits an den Rand der Ausrottung gebracht.
Ein gemeinsamer Lagebericht mehrerer-Naturschutzorganisationen über die Elefantenpopulation im Süden des Nationalparks offenbarte vor wenigen Tagen eine Katastrophe. Seit 2004 sind in Gabun mehr als 11.000 Waldelefanten getötet worden - im Schnitt also mehr als 1000 Dickhäuter im Jahr. Gabun gilt als letztes größeres Rückzugsgebiet der Waldelefanten, dort lebt mehr als die Hälfte der Art in Afrikas. Die Massaker hätten den Bestand aber nun dort um knapp die Hälfte, möglicherweise gar um drei Viertel schrumpfen lassen, berichtet der WWF. Im untersuchten Abschnitt des Parks leben demnach noch etwa 6900 Waldelefanten.
Okouyi und seine Helfer wollen die letzten verbliebenen Waldelefanten vor weiteren Massakern bewahren. Der Waldelefant (Loxodonta cyclotis) ist deutlich kleiner ist als der Savannenelefant und gilt erst seit wenigen Jahren als eigenständige Art neben dem Afrikanischen und dem Asiatischen Elefanten. Bei ihrer Suche versuchen die Wildhüter, den schwer bewaffneten Wilderern immer voraus zu sein. „Da sie oft ohne GPS unterwegs sind, orientieren sie sich an ihren eigenen Spuren“, erklärt Chef-Ranger Okouyi. „An Fußspuren und abgehackten Ästen können wir ungefähr ablesen, wann sich dort jemand aufgehalten hat.“
Gefesselt im Wald-Die Ranger müssen allerdings aufpassen, nicht selbst in einen Hinterhalt zu geraten. „Wir haben immer große Angst, dass sie uns zuerst entdecken“, sagt Okouyi. Da sich auch die Wilderer oft tagelang in ihrem Jagdrevier aufhalten, finden die Parkhüter nicht selten provisorische Zeltlager mitten im Wald. „Manchmal tratschen sie sogar seelenruhig am Camp. Je unvermittelter wir zuschlagen, desto besser sind unsere Chancen, sie zu erwischen.“ Wenn es glatt läuft, geht alles ganz schnell. Die Ranger stürzen sich auf die illegalen Jäger und fesseln sie - wann immer möglich ohne Waffengewalt, meint Okouyi.
„Wenn die Wilderer selbst auf der Jagd sind, macht sie dies viel gefährlicher. Denn dann tragen sie sicher Waffen und zögern auch nicht, diese gegen uns einzusetzen.“ Kürzlich, so erinnert sich der Chef-Ranger, habe er mit seinem Team zwei große Bosse verhaftet und sie zwei Tage im Wald festgehalten. Die geflohenen Kameraden seien zurückgekommen und hätten sofort das Feuer eröffnet, um ihre Anführer zu befreien. Fünf Schüsse seien gefallen, verletzt haben sie niemanden. Die Gefangenen konnten allerdings entkommen. „Oft sind unter den Wilderern Pygmäen, die sich hervorragend im Regenwald auskennen“, erzählt Okouyi.