Brodelnder Supervulkan beunruhigt die Forscher
Baku, den 11. März (AZERTAG). Die Phlegräischen Felder brodeln seit Monaten unter der Oberfläche, der Boden wölbt und senkt sich. Bei einem Ausbruch würden mehr als 1000 Kubikkilometer Material herausgeschleudert.
Für einen Supervulkan wirkt die Gegend westlich von Neapel recht unscheinbar. Kein auffälliger Bergkegel ragt in die Höhe - im Gegensatz zum Vesuv auf der anderen Seite der Metropole. Doch Sorge bereitet Behörden weniger dieser Berg, der im Jahr 79 die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer dicken Schicht aus Asche und Gestein begrub. Vielmehr achten Zivilschützer zurzeit verstärkt auf das 150 Quadratkilometer große, flachere Gebiet der Phlegräischen Felder.
Phlegräisch bedeutet „brennend“ - und der Name passt: Vielerorts steigen Dampfsäulen aus Felsspalten auf, Steine sind rötlichgelb verfärbt, Blasen blubbern in Tümpeln vor sich hin, und es stinkt nach fauligen Eiern. Es brodelt unter der Oberfläche, und der Boden hebt und senkt sich in regelmäßigen Abständen.
In der nahe gelegenen Hafenstadt Pozzuoli tragen die Säulen des antiken Serapis-Tempels Spuren von Meeresmuscheln - sie standen längere Zeit unter Wasser, nachdem sich der Boden gesenkt hatte. „Das System scheint zu atmen“, sagt Thomas Wiersberg vom Deutschen Geoforschungzentrum GFZ in Potsdam, der ausströmende Gase in dem Gebiet analysiert.
Unter der dampfenden Oberfläche schlummert ein gewaltiger Vulkan - einer von weltweit wenigen Dutzend sogenannten Supervulkanen. „Supervulkane haben einen Explosivitätsindex der höchsten Stufe 8“, erläutert Wiersberg.
Das heißt: Bei einem Ausbruch würden sie mehr als 1000 Kubikkilometer Material herausschleudern. Berühmtes Beispiel dafür ist der Vulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA, der vor über zwei Millionen Jahren mehr als 2000 Kubikkilometer Material ausspie.
Steht ein Ausbruch bevor? Streng genommen, haben die Phlegräischen Felder den Terminus Supervulkan nicht verdient. Denn bei einem gewaltigen Ausbruch vor etwa 37.000 Jahren spuckte der Vulkan „nur“ maximal 350 Kubikkilometer aus - das reicht nur für die Explosivitätsstufe 7. „Aber die Medien nehmen den Begriff nicht so genau“, meint Wiersberg. „Die Explosion muss schon gewaltig gewesen sein. Heute wäre ein solcher Ausbruch ein Problem für ganz Europa.“
Schlagartig entleerte sich damals die unterirdische Magmakammer, die Explosion zählt zu den heftigsten Vulkanausbrüchen der vergangenen 100.000 Jahre. Sie verwüstete Teile Europas, Reste der Ascheschicht findet man sogar noch in Zentralrussland, die Temperatur auf der Erde sank einer Studie zufolge über Jahre um bis zu zwei Grad Celsius.
Über der Magmakammer brach das Deckgestein ein, und es entstand ein riesiger Einbruchkessel von etwa 15 Kilometer Durchmesser - eine sogenannte Caldera. „Solche Caldera-Vulkane brechen nur sehr selten aus“, sagt Wiersberg. „Das ist ein Glück für die Menschheit.“
Schenkt man manchen Medienberichten Glauben, so könnte ein ähnliches Szenario erneut drohen. Denn seit einiger Zeit ruckelt die Erde heftiger als sonst, und der Boden wölbt sich stärker auf - ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Druck im Untergrund steigt. Allerdings gab es bereits in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt ein starkes Auf und Ab. Vor vier Jahrzehnten stieg der Boden binnen drei Jahren um etwa 1,5 Meter an, und Anfang der 80er-Jahre erneut ähnlich stark.