Bundes Innen-Minister Hans-Peter Friedrich nennt Hetze gegen Özil widerwärtig
Baku, den 21. Juni (AZERTAG). Die Internet-Anfeindungen gegen den deutschen Nationalspieler Özil haben Innenminister Friedrich auf den Plan gerufen. Auch für die nationalistischen Parolen deutscher Fans bei der EM schämt er sich.
Özils Management hatte zuvor wegen der rassistischen Kurznachrichten Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Der Vater des Profis, Mustafa Özil, will den Täter ermitteln lassen.
Dafür sieht Friedrich indes wenig Chancen. „Es gibt grundsätzlich Möglichkeiten, da die Täter im Netz Spuren hinterlassen. In vielen Fällen ist die Fahndung aber mangels Vorratsdatenspeicherung derzeit nicht erfolgsversprechend“, sagte der Innenminister.
Die rassistische Hetze war vor dem letzten EM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark verbreitet worden. In der Nationalelf sollten nur noch Spieler mit deutschklingenden Namen eingesetzt werden, hieß es unter anderem. Nach langer Überlegung entschieden sich Özils Vater und die Berater des Nationalspielers für juristische Gegenmaßnahmen. Twitter schloss inzwischen das Profil.
Scharf verurteilte Innenminister Friedrich auch die „Sieg, Sieg“-Rufe deutscher Fans ausgerechnet bei den EM-Spielen in der Ukraine. Es mache ihn auch wütend, dass einige Zuschauer die verbotene Reichskriegsflagge gezeigt hätten. „Als deutscher Patriot schäme ich mich, wie diese Leute unser Ansehen in Europa und der Welt versuchen zu beschädigen“, sagte Friedrich.
Özils Familie hat bereits reagiert. Die Anzeige gegen Unbekannt wegen der Internet-Hetze sieht Özils Vater und Berater MUstafa auch als eine Präventivmaßnahme an. „Es geht ja hier nicht allein um Mesut. Morgen ist es vielleicht Boateng, übermorgen Khedira, dann auch noch Gündogan und am Ende Podolski. Das geht doch nicht“, erklärte Mustafa Özil am Dienstag.
Löw hofft auf Leistungs-Explosion von Özil Mesut und seine Familie seien getroffen von der über einen anonymen Twitter-Kanal verbreiteten Hetze. „Aber es belastet jetzt nicht die Leistung von Mesut als Fußballspieler“, versicherte der Vater des Real-Profis.
„Mesut ist in Deutschland geboren, hat mehr für Deutschland getan und auch für die Integration anderer Menschen als viele andere. Mesut ist ein wunderbarer Junge, der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass dieses Bild des modernen Deutschland nach außen getragen wurde“, betonte Mustafa Özil. Mesut Özil hatte schon in den Juniorenteams für den DFB gespielt und trotz Abwerbebemühungen der Türkei 2009 sein Nationalmannschafts-Debüt für Deutschland gegeben.