Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Cheftrainer von FK Qarabag Gurban Gurbanov im Interview mit Fußballmagazin „Kicker“

Cheftrainer von FK Qarabag Gurban Gurbanov im Interview mit Fußballmagazin „Kicker“

Baku, 21. Januar, AZERTAC

Der Cheftrainer von FK Qarabag Agdam, Gurban Gurban Gurbanov, gab dem bekanntesten deutschen Fußballmagazin „Kicker“ein Interview. Das Interview wurde von dem aserbaidschanischen Journalisten Rasim Mövsümzada geführt, der mit dem Magazin zusammenarbeitet.

AZERTAC präsentiert das Interview.

Sie haben einst bei Trainern deutscher Klubs hospitiert. Was haben Sie von der deutschen Fußballkultur übernommen, Herr Gurban Gurbanov?

In den Play-off-Spielen der Europa League im August 2010 hatten wir ein gutes Verhältnis zu Borussia Dortmund aufgebaut, und als Folge davon konnte ich dort etwas später bei Jürgen Klopp hospitieren. Mehrere Tage lang seine Trainingseinheiten zu beobachten und mit ihm über die professionellen Aspekte des Trainerjobs zu diskutieren, war für mich eine unbezahlbare Erfahrung. Ich möchte ihm auf diesem Wege über den kicker meine Grüße und große Dankbarkeit übermitteln, dass er mir diese außergewöhnliche Chance eröffnet hat, die zu meiner beruflichen Entwicklung wesentlich beigetragen hat.

Welche Aspekte des deutschen Fußballs sind für Sie besonders interessant?

Der deutsche Fußball war immer geprägt von einer rigorosen internen Disziplin und einer hochkonzentrierten Vorbereitung auf jedes Spiel. Das sind Faktoren, die die Entwicklung des europäischen Fußballs vorangetrieben haben. Die zentrale Stärke ist eine Mentalität, die bereits im Jugendbereich gefördert wird und die Schnörkellosigkeit, Tempo sowie kollektive Ordnung priorisiert. Diese „eiserne Disziplin“ stellt sicher, dass deutsche Spieler bis zum Schlusspfiff Verantwortung übernehmen und konzentriert bleiben – völlig unabhängig davon, wer der Gegner oder wie der Spielstand ist. Diese Prinzipien der Einfachheit und des Durchhaltevermögens in meine Philosophie als Trainer einzubauen, hatte einen enorm positiven Einfluss auf meine Karriere.

Hatten Sie als Spieler oder Trainer jemals Angebote deutscher Klubs?

Ich erinnere mich, dass ich 1997 als Spieler mal dem berühmten deutschen Trainer Bernd Stange empfohlen wurde, aber daraus ist nichts geworden.

Wo könnte Qarabag landen, wenn Ihr Team in der Bundesliga spielen würde?

Gegen deutsche Teams in einer ganzen Saison zu spielen ist schwierig und etwas anderes, als einoder zweimal im Europacup gegen sie anzutreten. Ich glaube, dass wir mithalten könnten und keine klaren Außenseiter wären, obwohl das Erreichen der Top 10 sicher eine Herausforderung wäre.

Qarabag hat 2010 noch 0:4 in Dortmund verloren, 2024 dann aber ein 2:2 gegen Leverkusen erreicht. Was ist in der Zwischenzeit passiert?

Damals waren das unsere Anfangsjahre im Europacup, während die Borussia eine ihrer stärksten Phasen hatte – sie sind dann ja auch Meister geworden. Klopp hatte ein sehr interessantes Team geformt, das hohes Tempo spielte. Gegen Bayer waren wir schon erfahrener, verloren aber in der Gruppenphase 1:5, und der Qualitätsunterschied war klar zu sehen. Aber als wir wieder gegen sie spielten, haben wir sie besser analysiert, Fehler korrigiert, waren selbstbewusster und konzentrierter. Wir haben zwar wieder nicht gewonnen, aber diese Spiele haben viel Erfahrung und Glauben an die eigene Stärke gegeben.

Jetzt spielen Sie gegen Eintracht Frankfurt. Was erwarten Sie?

Wir sind uns bewusst, dass sie uns in allen Belangen überlegen sind. Unser vorrangiges Ziel im Vorfeld ist, dass alle Spieler gesund bleiben und wir so mehr Optionen für Spieler-Rotationen haben. Wir wollen den Heimvorteil in Baku so gut wie möglich nutzen. Nach unseren Siegen in den Europacup-Wettbewerben werden wir jetzt von den Gegnern viel ernster genommen. Ich bin mir sicher, dass sich die Eintracht sehr intensiv auf uns vorbereiten wird. In dieser Partie sind die Punkte für beide Teams wichtig, und wir werden bis zum Ende kämpfen, um unseren Fans ein spannendes Spiel zu bieten.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an die Spiele 2013 gegen die Eintracht denken?

Trotz der 0:2-Niederlage in Baku haben wir eine tolle Leistung gezeigt. In Frankfurt hat unser Ausgleich bei den gegnerischen Fans für ziemliche Unruhe gesorgt. Obwohl wir am Ende 1:2 verloren, haben wir sie mit mehreren guten Torchancen für uns doch in einige Probleme gebracht.

Ihr Team steht mit sieben Punkten auf Platz 22. Wie schätzen Sie die Chancen auf die K.-o.-Phase ein?

Realistisch betrachtet sollten wir uns mit einem Sieg aus den zwei restlichen Spielen einen Platz in den Top 24 sichern. Allerdings hängt das nicht nur von unserer Leistung ab, sondern auch von den Resultaten der Konkurrenz. Deshalb kann sogar ein einziger Punkt entscheidend für uns sein.

Qarabag hat zum zwölften Mal in Serie die Gruppen-oder Ligaphase eines Europacup-Wettbewerbs erreicht. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Die Basis all unserer Erfolge sind die tiefe Bedeutung des Namens Qarabag und die enorme Verantwortung, die hier alle fühlen – vom Klub-Management bis zu den Spielern. Das bewahrt uns davor, selbstzufrieden zu werden, nachdem wir etwas erreicht haben. Im Gegenteil: Die Erwartungen unserer Fans und im Umfeld pushen uns jedes Jahr weiter. Zu Ehren dieses Namens sind wir immer mit äußerster Seriosität an die Arbeit gegangen und wollten in jeder Hinsicht professioneller werden. Und dank unseres unermüdlichen Schaffens an langen Arbeitstagen und mit großer Hingabe wurden wir mit nachhaltigem Erfolg belohnt.

Qarabag wird wegen seiner Fußball-Philosophie häufig als der FC Barcelona des Kaukasus bezeichnet. Sind Sie einverstanden?

Wir schätzen diesen Spitznamen natürlich. Barcelonas Philosophie und die Umsetzung dieses Spielsystems bilden die Spitze des Weltfußballs und sind eine wertvolle methodologische Quelle für viele Klubs. Wir kopieren Barcelona nicht genau, denn ein solches System einfach so mit Spielern anderer Mentalität und Qualität anzuwenden, kann scheitern. Nichtsdestotrotz bevorzuge ich eine auf Ballbesitz basierende Spielweise. Um mit einem effizienten Angriff Siege zu sichern, müssen unsere Spieler eine exzellente Ballkontrolle ausüben können. Unser vorrangiges Ziel ist es, so lange wie möglich den Ball zu behalten und damit unser Spiel zu machen, unsere Philosophie umzusetzen.

Viele Klubs erhöhen ihr Eigenkapital, indem sie Spieler verkaufen. Qarabag ist da sehr zurückhaltend.

Aufgrund des aktuellen Niveaus der Liga und des Fan-Interesses bekommen wir nur ungefähr zehn Prozent der Spieler, die wir haben wollen. Die meisten gehen Lieber in Ligen, die einen direkteren Weg zu Europas Top-Klubs versprechen. Früher haben wir vor allem ablösefreie Profis verpflichtet, jetzt zahlen wir auch Transfersummen für gute Spieler. Und wir erwarten dieselbe Professionalität bei Angeboten für unsere Talente. Die großartigen Leistungen unserer Spieler, zum Beispiel in der Champions League, locken oft Berater an, die leere Versprechungen machen, was Unruhe in die Mannschaft bringt und unsere Arbeit stört. Weil wir unglaublich viel Zeit und Mühe in die Entwicklung unserer Spieler und die Verinnerlichung unserer Spielweise aufwenden, wollen wir nicht, dass sie uns unter ihrem Wert verlassen. Aber um als Klub zu wachsen und erfolgreicher zu werden, müssen wir uns am Transferzyklus des Kaufens und Verkaufens systematisch beteiligen.

Zuletzt haben Sie vor allem Profis aus der 2. Liga Portugals verpflichtet. Steckt dahinter eine Strategie?

Die Spieler von dort passen zu unserem Budget, und Transfers aus dieser Liga waren schon erfolgreich. Weil diese Liga ein Eingangstor für Talente aus Südamerika ist, haben wir uns auf diesen Markt konzentriert, was sich als produktiv erwiesen hat. Aber unser Scouting ist nicht auf diese Region begrenzt, wir beobachten mehrere Ligen in verschiedenen Ländern.

Im Kader steht auch der deutsch-kroatische Torwart Fabijan Buntic, der aus Ingolstadt kam. Warum konnte er sich nicht als Nummer 1 etablieren?

Die Konkurrenzsituation auf der Torhüterposition ist eine besondere Herausforderung, weil es nur einen Platz im Team gibt. Aber ich freue mich sehr über Fabians professionelle Einstellung und seinen vorbildlichen Charakter. Auch wenn er noch keine Einsatzchance in der Champions League hatte, heißt das nicht, dass ich unzufrieden mit ihm bin. Er ist ein hart arbeitender Spieler, und ich bin überzeugt, dass er noch viele Gelegenheiten bekommen wird, dem Team in Zukunft zu helfen.

Über Sie wird erzählt, auf dem Trainingsgelände seien Sie morgens der Erste, der kommt, und abends der Letzte, der geht. Erschöpft Sie das nicht?

Ich bin seit 40 Jahren im Fußball, und ich habe mit diesem Sport aus reiner Liebe angefangen. Wenn jemand seinen Job liebt, dann glaube ich nicht, dass Langeweile oder ein Burnout eine Gefahr sind. Natürlich gibt es während einer Saison Höhen und Tiefen, körperliche Müdigkeit oder schlechte Leistungen der Mannschaft – aber das liegt in der Natur des Fußballs. Die Geschichte zeigt, dass selbst die größten Klubs nicht unendlich auf ihrem höchsten Level bleiben. Der Schlüssel ist, Stabilität und Erfolg im selbst gesetzten Rahmen zu erhalten. Ich mag diese Arbeit wirklich, und in dem Moment, in dem ich spüre, dass es mich ermüdet, werde ich den Fußball verlassen.

Sie wirken stets sehr distanziert. Warum zeigen Sie während der Spiele kaum Emotionen?

Das liegt vor allem an meinem Charakter. Ich übertrage alle meine Anweisungen, Gefühle und Gedanken vorher in der Kabine oder auf dem Trainingsplatz auf die Spieler. Wenn das Team vollständig vorbereitet ist und jeder genau weiß, was er auf dem Feld zu tun hat, sehe ich keine Notwendigkeit für eine exzessive Einflussnahme an der Seitenlinie oder künstliche Zurschaustellung von Emotionen. Je nachdem, wie sich ein Spiel entwickelt, gibt es natürlich Momente, in denen ich meine Gefühle nicht im Griff habe. Aber generell ziehe ich es vor, mich zu beherrschen.

Als Spieler haben Sie oft den Klub gewechselt. Als Trainer nicht: Sie sind seit 2008 bei Qarabag. Können Sie sich noch vorstellen, ein anderes Team, vielleicht in einem anderen Land, zu trainieren?

Wegen des professionellen Systems, das wir bei Qarabag aufgebaut haben, und der moralischen Verantwortung, den dieser Name trägt, habe ich ehrlich gesagt nie an ein anderes Team gedacht. In meiner aktiven Karriere träumte ich davon, für große Klubs zu spielen. Aber seit ich hier Trainer bin, widme ich meine gesamte Konzentration und Energie einzig diesem Team. Der ständige Druck und die Verantwortung, die ich spüre, sowohl in der heimischen Liga als auch auf europäischer Bühne, haben mich so fest an diesen Klub gebunden, dass ich mir nicht vorstellen kann, irgendwo anders zu sein.

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