Chinas Premier will Bankenmonopol brechen
Baku, den 4. April (AZERTAG). Chinas Premierminister Wen will Ernst machen mit neuen Wirtschaftsreformen. Ausländer dürfen künftig mehr Kapital in seinem Land investieren als bisher, außerdem soll das Monopol der mächtigen staatlichen Banken geknackt werden. Das könnte das zuletzt schwächelnde Wachstum wieder ankurbeln.
Es sind ungewohnt deutliche Worte, die Chinas Premierminister Wen Jiabao am Dienstag sprach: „Lassen Sie mich ganz offen sein: Unsere Banken machen viel zu leicht Gewinne. Warum ist das so? Weil wenige Großbanken ein Monopol haben“. So äußerte sich Wen laut National Radio auf einer Wirtschaftskonferenz.
Wenn mehr privates Kapital in die Wirtschaft fließen solle, müsse dieses Monopol geknackt werden, sagte Wen. In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Pilotprojekt für eine private Kreditwirtschaft in der Stadt Wenzhou im Südosten Chinas angekündigt. „Ich denke, die Elemente, die in Wenzhou erfolgreich sind, können sofort landesweit eingeführt werden“, sagte Wen.
Limits für ausländische Investoren angehoben-Zeitgleich kündigte die chinesische Finanzaufsichtsbehörde an, deutlich mehr ausländisches Kapital ins Land zu lassen als bisher. Internationale Fondsmanager dürfen künftig insgesamt 80 Milliarden Dollar im chinesischen Binnenmarkt investieren, bisher galt ein Limit von insgesamt 30 Milliarden Dollar.
Tatsächlich scheint eine Neuordnung des chinesischen Finanzsystems dringend notwendig zu sein. Die öffentliche Meinung hat sich in den vergangenen Monaten gegen Chinas größte Banken gerichtet: Viele Bürger empfinden die vielen Gebühren der Institute als willkürlich.
Hohe Gewinne empören die Bürger-Die kommunistischen Kader nutzten die chinesischen Banken lange, um Staatsunternehmen zu subventionieren. Kleinere Privatbetriebe, die für den größten Teil der neu geschaffenen Arbeitsplätze verantwortlich sind, mussten sich Geld auf anderen Wegen leihen - zu hohen Zinsen. Für die vier großen Institute läuft das Geschäft dagegen blendend. Die größte Kreditgeberin, die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) hat im vergangenen Jahr mehr als 33 Milliarden Dollar verdient und gehört damit zu den weltweit profitabelsten Unternehmen.
Auch die Bank of China , die China Construction Bank und die Agriculture Bank of China konnten ähnlich hohe Gewinne erzielen. Weil die Regierung die Zinsen für Kredite und Guthaben festsetzt und den Banken eine Mindestmarge von 3,5 Prozent garantiert, ist das Geschäftsmodell der Institute absolut sicher.
Nachdem die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch vor zwei Jahren um mehr als zehn Prozent wuchs, steuert China in diesem Jahr aber auf eine deutliche Abkühlung zu. Die Weltbank und die Regierung in Peking fordern deshalb grundlegende Reformen im Finanzsektor - sonst könne sich der Abschwung beschleunigen.