Den Großstädtern droht künftig der Hitzekollaps
Baku, den 28. September (AZERTAG). Globale Erwärmung, zunehmende Bebauung, Versiegelung von Grünflächen. Künftig werden sich die Innenstädte im Sommer unerträglich aufheizen. Doch wie sieht eine an den Klimawandel angepasste Stadt aus?
Städte haben ihr eigenes Klima: Steine und Teer heizen sich in der Sonne stärker auf als das grüne Umland, Wohnungen und Industrieanlagen geben viel Wärme ab. Zusätzlich verhindern ungünstig gelagerte Luftschichten den Austausch, oft ist eine Dunstglocke die Folge. Klimatologen sprechen von städtischen Wärmeinseln, Urban Heat Islands (UHI).
Grundsätzlich gilt: Je größer eine Stadt, desto wärmer ist sie auch. Der Unterschied zum unbebauten Umland liegt im Durchschnitt bei 0,5 bis 2 Grad höher, kann aber - vor allem nachts - auch zehn Grad betragen.
Zukünftig werden die Jahresmitteltemperaturen in den Städten wegen des Klimawandels genauso wie die Temperaturen im Umland steigen - allerdings verstärkten sich die Unterschiede nicht wie befürchtet, berechnete der Deutsche Wetterdienst DWD.
Deutlich mehr heiße Tage-Die Hitzezeiten aber werden häufiger. „Die Zahlen der Sommertage mit mehr als 25 Grad und die Zahl der heißen Tage mit mehr als 30 Grad werden deutlich zunehmen”, sagt DWD-Vizepräsident Paul Becker. Pro Jahrzehnt kommen in Deutschland derzeit 4,6 Sommertage hinzu.
Für das Stadtklima benötigen die Klimaforscher spezielle regionale Modelle, denn der deutsche Klimaatlas arbeitet laut Becker mit Gitterweiten von zehn Kilometern. Genauer seien die Modellierungen aber nicht möglich, weil kein Computer der Welt über eine solche Rechenleistung verfüge.
„Da hat man dann für Hamburg höchstens zwei Gitterpunkte und bekommt keine Aussage raus“, weiß Becker. Der DWD nimmt deswegen detaillierte Klimasimulationen für Hamburg, Frankfurt am Main und Köln vor. Dabei wird auch für einzelne Stadtteile ermittelt, wie sich die Temperatur in den nächsten 100 Jahren verändert.
„Es wird nicht so sein, dass man in unseren Städten nicht mehr leben kann. Aber damit sie lebenswert bleiben, müssen Anpassungsmaßnahmen getroffen werden“, sagt Becker. Nötig seien vor allem Grünflächen, Schatten durch große Bäume, Wasser, bepflanzte Fassaden und Frischluftschneisen für Wind.
Die Städte hätten das Problem erkannt und bemühten sich jetzt um Gutachten der Meteorologen, sagt Becker. Vielerorts gebe es Gespräche mit Stadtplanern - doch bei der Umsetzung in Gesetze und Verwaltungsvorschriften „stehen wir durchaus noch am Anfang“.