Der Mittlere Osten trocknet aus
Baku, den 14. Februar (AZERTAG). Satelliten enthüllen einen dramatischen Wasserschwund im Mittleren Osten. In sieben Jahren ist dort in der Erde die dreifache Menge des Bodensees verlorengegangen. Der Kampf ums Wasser verschärfe sich, warnen Wissenschaftler.
Im Mittleren Osten wurde die Zivilisation geboren, dort entwickelte der Mensch die Landwirtschaft. Auch die Legende vom paradiesischen Garten Eden wird dort verortet. Voraussetzung für die Entwicklung war ausreichend Wasser. Nun jedoch erlebt die Region ihre schleichende Austrocknung.
Seit 2003 sei das Grundwasser der Region an den Flüssen Euphrat und Tigris um 144 Kubikkilometer geschwunden, also um 144 Billionen Liter, berichten Forscher in einer Studie, die am Freitag im Fachmagazin „Water Resources Research“ erscheinen wird. Die Menge entspricht dem dreifachen Wasservolumen des Bodensees. Untersucht wurde ein Gebiet von mehr als der doppelten Größe Deutschlands, das vom Osten Syriens und der Türkei über den Nordirak bis weit nach Iran reicht; es liegt weitenteils im Mittleren, teils auch im Nahen Osten.
Die schaurige Entdeckung machten die Wissenschaftler um Katalyn Voss von der Georgetown University in Washington mit den beiden deutsch-amerikanischen „Grace“-Satelliten, die die Erdanziehungskraft messen. Über Regionen erhöhter Schwerkraft wird der erste „Grace“-Trabant plötzlich stärker beschleunigt, er enteilt dem Zwillingssatelliten ein wenig. Radargeräte an Bord ermitteln mikrometergenau den Abstand der beiden Satelliten, GPS-Empfänger bestimmen ihre Position. Es entsteht eine Karte der Erdanziehungskraft.
Von Januar 2003 bis Dezember 2009 wurden die beiden Satelliten bei ihren Überflügen über den Mittleren Osten immer weniger stark angezogen; spätere Daten wurden noch nicht ausgewertet. Für die flächendeckende Verringerung der Erdbeschleunigung käme nur eine Ursache in Frage. Im Boden ginge Wasser verloren - pro Jahr 20 Billionen Liter, berichten die Fachleute. Damit gehöre die Region zu den am schnellsten austrocknenden der Welt.