Die Umwelt- und Gesundheitsrisiken nach der Flut
Baku, den 10. Juni (AZERTAG).Coli-Bakterien, Pestizide, Fungizide. Den Bewohnern der Hochwassergebiete drohen Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch Gifte und Chemikalien, die ins Grundwasser und auf Äcker gelangen.
Die in den Hochwasserregionen lebenden Menschen müssen sich nach dem Rückzug der Fluten laut Experten auf erhöhte Umwelt- und Gesundheitsrisiken einstellen.
Behörden sollten daher die Trinkwasserqualität und die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus den überfluteten Regionen verstärkt kontrollieren.
Mit dem Hochwasser breiteten sich neben Haushaltsabwässern und Chemikalien aus der Kanalisation auch Coli-Bakterien, Insektengifte, Pestizide und Fungizide in Überschwemmungsgebieten stark verdünnt, aber großflächig aus.
Erfahrungen nach starken Regen in der Fränkischen Schweiz zeigten, dass Stoffe aus Jahrzehnte alten, verborgenen Müllablagerungen vom Wasser ausgeschwemmt werden.
Hydrologen sehen kaum Möglichkeiten, die Umweltrisiken nach eingetretenen Hochwasserschäden zu begrenzen. Hochwasserführende Flüsse reißen Ablagerungen aus Wäldern, Wiesen, Äckern und der städtischen Kanalisation mit. Dass lagert sich dann nach dem Abfließen des Hochwassers später großflächig flussabwärts ab, erklären sie.
Chemikalien auf Wiesen und Äckern - Problematisch seien Chemikalien, die Hochwasser führende Flüsse ausspülen und unkontrolliert auf Wiesen und Äckern verteilen. Untersuchungen hätten ausgespülte und ins Grundwasser eingebrachte, hormonell wirkende Substanzen zutage gefördert. Über weggeschwemmte Gülle könnten Coli-Bakterien ins Trinkwasser gelangen.
Besonders bedenklich sei nach Überflutungen die Trinkwassergewinnung aus bodennahem Uferfiltrat, wie sie am Rhein vielerorts üblich sei. Diese müsse möglicherweise nach einem Hochwasser vorübergehend eingestellt werden.
Landwirte, deren Wiesen und Äcker überflutet waren, bleibe nichts anderes üblich, als ihre Äcker umzupflügen. Zu hoch sei das Risiko, dass sie mit gesundheitsschädlichen Hochwasser-Ablagerungen belastet seien.
Auch aus überfluteten Kläranlagen könnte unbehandeltes Abwasser mit Keimen in die Gewässer geraten. Baden in den verunreinigten Gewässern kann zu Magen-Darm-Erkrankungen oder Wundinfektionen an offenen Stellen führen.
Im Mai stellten die EU-Kommission und die Europäische Umweltagentur in ihrem Bericht den Binnengewässern in Deutschland eine gutes Zeugnis aus, die Qualität des Wassers war im Testjahr 2012 an fast neun von zehn Stellen sehr gut. Das könnte sich nach dem Hochwasser an vielen Stellen ändern.