Dreißigjährige haben den besten Sinn für Zahlen
Baku, den 27. Juni (AZERTAG). Sind mehr weiße oder mehr blaue Fußballer im Strafraum? Um das herauszufinden, muss man die Spieler nicht unbedingt zählen - wir erkennen es oft auf einen Blick. Eine Studie zeigt nun, dass der Zahlensinn mit zunehmendem Alter schwächelt.
Menschen verfügen über einen angeborenen Zahlensinn. Bereits Säuglinge im Alter weniger Wochen erkennen den Unterschied zwischen einem und zwei Punkten. Selbst Ureinwohner aus dem Regenwald Südamerikas, die keinerlei mathematische Ausbildung nach westlichen Maßstäben bekommen haben, können Punktmengen der Größe nach sortieren.
Beim spontanen Vergleichen von Mengen, etwa der Frage beim Fußball, ob mehr Deutsche oder mehr Griechen im Strafraum stehen, zählen wir nicht, sondern vergleichen die Mengen intuitiv. Dabei liegen wir oft richtig. Erst wenn die beiden zu vergleichenden Zahlen zu eng beieinander liegen, häufen sich die Fehler.
Der Psychologe Justin Halberda von der Johns Hopkins University in Baltimore hat nun gemeinsam mit Kollegen untersucht, wie sich unsere Fähigkeit zum intuitiven Vergleichen von Mengen im Laufe der Jahre verändert. Die Wissenschaftler werteten Online-Tests von mehr als 10.000 freiwilligen Teilnehmern aus, die im Alter von elf und 85 Jahren waren.
Die Studie zeigt, dass sich der Zahlensinn im Kindes- und Jugendalter immer mehr verbessert. Die Forscher erklären dies in erster Linie mit der Schule und werten dies als Indiz dafür, dass Bildung den Zahlensinn tatsächlich verbessert. Im Alter von etwa 30 Jahren erreicht die Fähigkeit ihren Höhepunkt. Danach verschlechtert sich der Zahlensinn wieder, schreiben Halberda und seine Kollegen im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
An dem Test auf der Webseite panamath.org haben mittlerweile mehr als 100.000 Freiwillige teilgenommen. Er ist nach wie vor online. Der Test besteht aus 300 kurzzeitig angezeigten Bildern, auf denen blaue und gelbe Punkte zu sehen sind. Die Teilnehmer müssen dann per Tastendruck entscheiden, welche Punktmenge die größere ist. Dabei wird auch ihre Reaktionszeit gemessen.
Auf einem Bild werden zwischen fünf und 20 Punkten von jeder Farbe gezeigt - zum Beispiel sechs gelbe und 17 blaue. Das Verhältnis der Punktmengen variiert von Bild zu Bild. Auf diese Weise konnten die Forscher jene Zahlenverhältnisse bestimmen, bei denen die Probanden gehäuft Fehler machten.
Allgemein gilt: Im Alter von 30 Jahren war sowohl die Fehlerquote als auch die Reaktionszeit am geringsten. Innerhalb einer Altersgruppe gab es teilweise größere Unterschiede zwischen den Teilnehmern. Diese sind aber nach Angaben der Forscher in erster Linie mit der unterschiedlichen Bildung zu erklären. Zu Beginn des Tests mussten die Teilnehmer Angaben zu ihrer Ausbildung machen und ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten einschätzen.