Echtes Übergewicht ist ein sehr wichtiger Faktor für Krebs
Baku, den 7.August (AZERTAG). Dicken drohen nicht nur Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt, dazu Diabetes, Demenz, chronische Rückenschmerzen und Gelenkerkrankungen. Sie bekommen auch viel häufiger Krebs als die Dünnen. Schon mit wenigen Kilogramm über Normalmaß steige dieses Risiko. Echtes Übergewicht ist ein sehr wichtiger Faktor für Krebs insgesamt und für bestimmte Krebsarten im Besonderen.
Im Grundsatz ist die Gefahr seit Jahren bekannt, sie wurde jedoch bislang drastisch unterschätzt. Noch 1996 hatten Gesundheitsforscher der Harvard University in einer Untersuchung eine krebsfördernde Wirkung des Übergewichts lediglich als Spekulation eingestuft. Stattdessen lastete man toxischen Stoffen in Nahrungsmitteln fast ein Drittel des Gesamtrisikos an - ebenso wie dem Rauchen.
Nur sechs Jahre später bezifferten dieselben Fachleute den Risikobeitrag der Fettleibigkeit bereits mit 10 bis 20 Prozent. Inzwischen sei ein regelrechter Paradigmenwechsel bei der Bewertung des ernährungsbedingten Risikos zu verzeichnen. Die Zahlenwerke zeigen: Die chronische Überfütterung der Bevölkerung, nicht das Dioxin im Ei verschärft die Lage an der Krebsfront drastisch. Schadstoffe in der Nahrung spielen bei Krebserkrankungen insgesamt eine geringe Rolle - statt in Mikrogramm bemisst sich das Tumorrisiko in Kilojoule.
Allein in den Vereinigten Staaten sterben jährlich bis zu 115.000 Menschen an einem durch Fettsucht ausgelösten Tumor - damit ist wohl jeder fünfte Krebstote dort letztlich seinem Übergewicht zum Opfer gefallen. Auch in Deutschland ist für die Hälfte der 470.000 jährlichen Neuerkrankungen ein tödliches Trio vermeidbarer Krebsauslöser verantwortlich: Rauchen, Infektionen und Übergewicht, verbunden mit Bewegungsmangel. Bei einer Reihe von Krebsarten lasten die Experten zwischen knapp 20 und mehr als 50 Prozent der Fälle allein den Speckschwarten an.
Die Verfettung ist keineswegs nur ein Problem der Europäer und Amerikaner. Auf dem Globus leben 30 Prozent mehr übergewichtige als unterernährte Menschen. Forscher der London School of Hygiene and Tropical Medicine errechneten kürzlich, dass Dicke weltweit mindestens 18,5 Millionen Tonnen überflüssigen Speck mit sich herumtragen. Im vergangenen Jahr erklärten die UN, dass in der Geschichte der Menschheit zum ersten Mal anstelle von Infektionen die Folgen des Übergewichts zur weltweit größten Gesundheitsgefahr geworden seien. 35 Millionen Tote jährlich gehen demnach auf das Konto von Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden - und Krebs. Adipöse und Diabetiker trügen nicht nur ein weit höheres Risiko für einen Tumor als Gesunde, warnte das Fachblatt Science erst im Januar, „wenn sie Krebs bekommen, dann sterben sie auch häufiger daran“.