Ecuador: Präsidentschaftskandidat Fernando Villavicencio im Wahlkampf ermordet
Baku, 10. August, AZERTAC
Seit Wochen und Monaten gibt es immer wieder Berichte über erschütternde Gewaltausbrüche in den Haftanstalten Ecuadors. Drogenkartelle bekriegen sich hinter den Gefängnismauern - aber auch jenseits davon. Nun erreichen die Übergriffe die Spitzenpolitik des südamerikanischen Landes.
Der ecuadorianische Präsidentschaftskandidat Fernando Villavicencio ist bei einer Wahlkampfveranstaltung ermordet worden. “Im Gedenken an ihn und seinen Kampf versichere ich, dass dieses Verbrechen nicht ungestraft bleiben wird“, schrieb Präsident Guillermo Lasso am Mittwoch auf der Social-Media-Plattform X, ehemals Twitter.
“Das organisierte Verbrechen ist sehr weit gegangen, aber das ganze Gewicht des Gesetzes wird auf sie fallen.“ In Gedanken sei er bei der Frau und den Kindern des Verstorbenen. Das Sicherheitskabinett des Landes soll nun rasch zusammenkommen.
Lokale Medien hatten zuvor berichtet, Villavicencio sei während einer Wahlkampfveranstaltung in Quito erschossen worden. Bilder in den sozialen Medien zeigten, wie Menschen in Deckung gingen und schrien, als Schüsse fielen.
Laut Meinungsumfragen lag Villavicencio zuletzt bei 7,5 Prozent der Wählerstimmen. Er hatte sich in der Vergangenheit wiederholt und sehr deutlich gegen die weitreichende Korruption im Land positioniert.
Lasso hatte im April die Waffengesetze gelockert und den Bürgern das Tragen von Waffen erlaubt. Ecuador kämpft mit Kriminalität und alltäglicher Gewalt. Allein in den Gefängnissen wurden bei Auseinandersetzungen Hunderte Häftlinge getötet. Die Regierung macht dafür vor allem die Drogenkartelle verantwortlich.
Erst Ende Juli hatte sich in der Hafenstadt Guayaquil ein Geiseldrama ereignet. Nach Aufständen und tagelangen Kämpfen in einem Gefängnis wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens 18 Insassen getötet. Außerdem seien “elf Menschen einschließlich eines Beamten verletzt worden“, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Rund 2700 Sicherheitskräfte stürmten demnach die Anlage in Guayaquil, um die “Kontrolle zurückzuerlangen“.