Eine Rückschau aufs gestrige zweite Semifinal beim ESC
Baku, den 25. Mai (AZERTAG). Gestern abend fand das zweite Halbfinale beim 57. Eurovision Song Contest in Baku statt.
Zum zweiten Mal in dieser Woche wurde es für 18 Länder richtig ernst. Am Donnerstag mussten die Kandidaten des zweiten Halbfinals antreten, um sich einen von zehn Plätzen im Finale zu ersingen. Die Kandidaten dieser zweiten Vorrunde hatten es deutlich schwerer als ihre Mitbewerber vom Dienstag, denn in der zweiten Show versammelten sich nicht nur die musikalisch stärkeren Kandidaten, es waren außerdem noch viele Länder dabei, die dank freundlich gesinnter Nachbarn oder großer europäischer Auslandsgemeinden ihren Finalplatz seit Jahren so gut wie sicher haben.
Den Auftakt der Show macht gleich einer, auf den beide Kriterien zutreffen. Željko Joksimovic ist nicht nur ein großartiger Musiker mit einem wirklich schönen Song im Gepäck, der Serbe kann daneben auch auf Unterstützung aus den ehemals zu Jugoslawien gehörenden Ländern Mazedonien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien hoffen - ganz zu schweigen von einer großen ESC-Fan-Gemeinde, die sich noch gut an seinen zweiten Platz von 2004 erinnert. Der Mitfavorit muss sich also wenig Sorgen um seinen Finaleinzug machen und kommt locker in die nächste Runde.
Ebenfalls stark favorisiert ist seit Wochen die Schwedin Loreen mit ihrem Song „Euphoria“. Ihr düster inszenierter Dancehit samt Kunstschnee und Capoeira-Tanz traf ebenfalls erwartungsgemäß den Geschmack des Publikums und zog ins Finale ein. Auch die norwegischen Nachbarn dürfen sich mit Tooji über den Finaleinzug freuen. Das Rezept, den Auftritt von Eric Saade im vergangenen Jahr mit orientalischen Dance-Klängen zu paaren, kommt insbesondere beim Hallenpublikum aus dem Gastgeberland Aserbaidschan gut an.
Auch Can Bonomo aus dem Bruderland Türkei bekam die Unterstützung von Fans in der Halle, und schaffte er es ins Finale. Der Seemannslook des Auftritts samt einem menschlichen Boot aus Tänzern und der eingängige Song begeistern jedenfalls nicht nur die Zuschauer in Baku, sondern auch in zehnten Ländern der Welt.
Wie erwartet schafften es auch die Ukraine und Mazedonien ins Finale - im Falle von Gaitanas Fußballhymne zumindest mit Recht für eine Show, die alle Register zieht. Überraschend dagegen der Einzug der beiden baltischen Länder Estland und Litauen. Joan Franka aus den Niederlanden schaffte es bedauerlicherweise trotz ihres sympathischen Auftritts nicht in die nächste Runde - die Nerven scheinen ihr auf die sonst so kräftige Stimme geschlagen zu haben.
Für die Votingpause des zweiten Halbfinals haben sich die Macher in diesem Jahr dafür etwas ganz Besonderes ausgedacht. Fünf ehemalige Sieger versammeln sich auf der ESC-Bühne, um ein Medley ihrer Songs zum Besten zu geben.
Eingerahmt wurde das Medley der Veteranen von nationalen Klängen. Eine Flöte und Trommeln begleiteten die Songs von Marija Šerifović, Dima Bilan, Alexander Rybak und den Auftritt der Vorjahressieger Ell / Nikki.
Wirklich hübsch dagegen war die Idee der Regie, den drei Moderatoren Leyla, Nargiz und Eldar für einen Einspielfilm Blümchen in die Hand zu drücken, um sich bei allen Beteiligten hinter den Kulissen der Show persönlich zu bedanken.
Am Samstag im Finale werden Litauen, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Ukraine, Schweden, Mazedonien, Norwegen, Estland, Malta und die Türkei gegen Roman Lob, die übrigen „Big Five“, Gastgeber Aserbaidschan und die Gewinner des ersten Semifinals ins Rennen gehen. Die Chance auf einen zweiten Auftritt in der Crystal Hall verpasst haben die Niederlande, Weißrussland, Portugal, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Georgien und die Slowakei.