Entwicklung von Hepatitis-C-Mittel gestoppt
Baku 25. August (AZERTAG). Der Wirkstoff BMS-986094 galt lange als aussichtsreicher Kandidat für die Bekämpfung von Hepatitis C - allein in Deutschland sind über eine halbe Million Menschen infiziert. Nach dem Tod einer Testperson stoppte der Pharmahersteller Bristol-Myers nun die Entwicklung.
Aus BMS-986094 wird kein Medikament zur Bekämpfung von Hepatitis C werden. Am Freitag gab der Pharmakonzern Bristol-Myers den Stopp der Entwicklung bekannt. Das Mittel galt lange als aussichtsreicher Kandidat für die Bekämpfung der Viruserkrankung. Der Pharmakonzern hatte der Biotechfirma Inhibitex den Wirkstoff für 2,5 Milliarden Dollar abgekauft.
Wie der Pharmakonzern am Freitag mitteilte, war ein Patient, der an der Studie mit dem bisher als BMS-986094 geführten Wirkstoff teilgenommen hatte, verstorben, mehrere andere Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Hepatitis C ist eine der am meisten verbreiteten Infektionskrankheiten und überaus tückisch: Geschätzt wird, dass sich das Virus in den Lebern von mindestens einer halben Million Deutschen bereits festgesetzt hat, weltweit hat der Erreger dreimal mehr Menschen befallen als HIV. Das meist mit dem Blut - etwa über Drogenbesteck oder durch verunreinigte Instrumente für Tattoos oder Piercings - übertragene Virus (HCV) führt in vielen Fällen zu dauerhaften Infektionen, verursacht Leberschäden, in den schlimmsten Fällen entsteht Krebs.
Wie bei vielen Infektionskrankheiten nistet sich das Hepatitis-C-Virus im Körper ein, ohne zunächst großen Schaden anzurichten. Manchmal klagt der Betroffene über Müdigkeit, manchmal über Konzentrationsschwierigkeiten. Ansonsten ist bei drei Viertel der frisch Infizierten alles wie sonst.
Hepatitis C-Virus befällt die Leber- Meistens wird das Virus erst viel später entdeckt, bei Routineuntersuchungen der Leber etwa. Jahre können ohne jegliche Beschwerden vergehen. Je länger aber die Zeit zwischen Ansteckung und Diagnose ist, desto stärker kann sich das Virus in den Leberzellen vermehren und das Gewebe schädigen. Im fortgeschrittenen Stadium führt Hepatitis C bei etwa einem Viertel der Erkrankten zu einer Leberzirrhose - der häufigsten Ursache für eine Lebertransplantation.
Angesichts der Tragweite überrascht es, dass viele Fragen ungeklärt sind. Warum befällt das Virus ausgerechnet die Leber? Warum kann das Immunsystem mancher Menschen den Erreger vertreiben, andere aber nicht? Lange halfen die Mittel der Medizin nur einer Minderheit der Infizierten, nun aber sei dank neuer Therapien eine neue Ära in der Bekämpfung der Leberinfektion angebrochen, wie sich selbst vorsichtige Mediziner ausdrücken.
Wirksam ist diese Therapie allerdings nur bei der häufigsten Variante des Virus und nur in zwei von fünf Fällen. Die Entwicklung eines umfassend wirkenden Medikaments oder gar eines Impfstoffs, der eine Hepatitis-C-Erkrankung von vornherein ausschließt, ist jedoch bisher nicht gelungen.