Erde erwärmt sich langsamer als befürchtet
Baku, den 20. Mai (AZERTAG). Ein internationales Forscherteam hat die Prognosen zum Klimawandel nach unten korrigiert. In einer neuen Studie berechnen die Wissenschaftler eine geringere Erderwärmung für die nächsten 50 bis 100 Jahre als bisher erwartet. Entwarnung geben sie allerdings nicht.
Einer neuen Studie zufolge wird die globale Erwärmung in den nächsten Jahrzehnten nicht so schnell ablaufen wie bisher befürchtet. Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchung wurden jetzt in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ vorgestellt.
„Die extremsten Erderwärmungs-Szenarien, die in Klimamodellen für die nächsten 50 bis 100 Jahre berechnet wurden, sind damit weniger wahrscheinlich“, heißt es in einer Einschätzung der Universität Oxford über die Untersuchung.
Von einer Entwarnung kann allerdings keine Rede sein. Ohne weitere Klimaschutzfortschritte, heißt es in „Nature Geoscience“, dürfte die globale Durchschnittstemperatur auf längere Sicht ein Niveau erreichen, das als gefährlich für die Menschheit gilt.
Merklich unter den Erhebungen von UN-Klimaforschern - In ihrer Studie berechneten die Forscher den Temperaturanstieg auf Basis des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre. Dieser dürfte ungefähr Mitte des Jahrhunderts doppelt so hoch sein wie vor der Industriellen Revolution, sollte sich die Luftverschmutzung im aktuellen Tempo fortsetzen. Die Jahresdurchschnittstemperatur werde dann zwischen 0,9 und zwei Grad Celsius höher sein als zu vorindustriellen Zeiten, sagen die Experten voraus. Damit liegen sie merklich unter den Erhebungen von UN-Klimawissenschaftlern aus dem Jahr 2007, die den Anstieg auf ein bis drei Grad schätzten.
Die Regierungen der Welt hatten sich darauf geeinigt, die Erderwärmung nicht über zwei Grad steigen zu lassen. Viele Forscher gehen davon aus, dass der Menschheit ab dieser Schwelle gravierende Konsequenzen drohen - etwa eine Zunahme von Überschwemmungen und Hitzewellen sowie steigende Meeresspiegel.
In die aktuelle Studie flossen neue Temparaturdaten und Messungen zur Wirkung der Sonnenstrahlung auf die Atmosphäre ein. Die Ergebnisse könnten nun dazu führen, dass sich die Politik weniger stark unter Handlungsdruck sieht. Chefautor Alexander Otto von der Universität Oxford sagte, für die Regierungen sei die Entwicklung der nächsten 50 bis 100 Jahre entscheidend. Co-Autor Reto Knutti nannte die neuen Berechnungen für diesen Zeitraum zwar willkommen. Der Professor an der ETH Zürich mahnte aber zugleich, auf längere Sicht werde die Erderwärmung deutlich über der Zwei-Grad-Marke liegen, falls sich der Trend bei den CO2-Emissionen fortsetzen sollte.
In Berechnungen für die nächsten Jahrhunderte lagen die Wissenschaftler im Rahmen ihrer UN-Kollegen, die von einem Temperaturanstieg von zwei bis 4,5 Grad ausgingen.
Das Tempo der Erderwärmung hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt, obwohl die Menge der Treibhausgase in die Atmosphäre zunimmt. Wissenschaftler erklären dieses Phänomen teils mit der Aufnahme von Wärme durch die Ozeane, teils mit einem Rückgang der Sonnenaktivität oder einem erhöhten Anteil von Schmutzpartikeln in der Atmosphäre, die Sonnenstrahlen reflektieren.
Chefautor Otto zufolge ist diese Verlangsamung kein Beleg dafür, dass der Klimawandel ausbleibt. „Man bräuchte eine wesentlich längere Pause, um zum Schluss zu kommen, dass die globale Erwärmung ausbleibt“, sagte er dem „Guardian“. Eine solche Phase könnte bis zu 40 Jahre dauern.