Fliegende Bakterien könnten Klima beeinflussen
Baku, den 29. Januar (AZERTAG). In zehn Kilometern Höhe haben Forscher diverse Pilze und Bakterien nachgewiesen. Die Mikroorganismen könnten die Wolkenbildung und Niederschläge beeinflussen.
Bakterien gelten als wahre Überlebenskünstler. Solche Mikroorganismen besiedeln etwa heiße Tiefseequellen ebenso wie abgeschiedene Spalten tief in der Erde oder Haarspray. Nun nahmen Nasa-Mitarbeiter von Flugzeugen aus Luftproben in etwa zehn Kilometern Höhe über der Karibik und dem westlichen Atlantik. Dabei sammelten sie Partikel vor, während und nach zwei Hurrikans in Filtern und analysierten dann deren Inhalt.
In der Größenordnung von 0,25 bis 1 Mikrometer Durchmesser waren etwa 20 Prozent aller gefangenen Teilchen lebensfähige bakterielle Zellen. Insgesamt bestimmten die Forscher 17 verschiedene Gruppen von Bakterien. Offenbar hätten Luftbewegungen die Mikroorganismen, darunter auch Pilze, ähnlich wie Staub- oder Salzteilchen in die Höhe gewirbelt, berichten die Wissenschaftler um Natasha DeLeon-Rodriguez in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Winde und Stürme könnten Bakterien und andere Organismen so über größere Strecken transportieren und verteilen, schreiben die Wissenschaftler. Auch Krankheiten verbreiteten sich möglicherweise auf diese Weise.
Wichtigere Rolle für Klima als bisher bekannt-Noch spannender jedoch ist der mögliche Einfluss der Keime auf das Klima. Manche der Bakterien verarbeiten Kohlenstoffverbindungen bei ihrem Stoffwechsel - möglicherweise auch Stoffe in der Atmosphäre wie etwa Oxalsäure. Vor allem aber können einige Mikroorganismen ebenso wie andere Teilchen als Kerne dienen, an denen Feuchtigkeit kondensiert. Auf diese Weise könnten die Organismen zur Wolkenbildung und zu Niederschlägen beitragen.
„Diese Resultate deuten darauf hin, dass es einen weitreichenden transkontinentalen Transport lebensfähiger Bakterien gibt mit möglicherweise wichtigen Folgen für die Biogeografie dieser Mikroorganismen“, schreiben die Wissenschaftler. „Unsere Ergebnisse liefern auch Hinweise darauf, dass luftgetragene Mikrobenzellen für das Ausmaß von Wolkenbildung und Niederschlägen wichtiger sind als bisher vermutet. Man sollte diesen Mikroben und ihrer Rolle in der Atmosphäre eindeutig mehr Aufmerksamkeit schenken als bisher.“