Forscher machen Gedanken hörbar
Baku, den 2. Februar (AZERTAG). Filme, die allein aus Gedanken entstanden sind, gibt es bereits - jetzt kommt der Ton dazu. Anhand von Hirnströmen haben Forscher rekonstruiert, was Menschen zuvor gehört haben. Gelähmte könnten so eines Tages wieder eine Stimme bekommen.
Blechern schallt ein englisches Wort aus den Lautsprechern: „Structure“. Danach kommt das gleiche Wort noch einmal, allerdings merkwürdig verzerrt. Anschließend ein drittes Mal, jetzt kaum noch verständlich.
Was klingt wie ein misslungenes Experiment aus einem Soundkunst-Studio, ist das spektakuläre Ergebnis eines Versuchs an der University of California in Berkeley. Forscher haben rekonstruiert, was Menschen gehört haben - und zwar allein anhand von deren Hirnströmen.
Vergangenes Jahr war es Wissenschaftlern bereits gelungen, Bilder aus Hirnsignalen zu destillieren - und herauszufinden, was Menschen gesehen haben. Für die neue Studie haben Hirnchirurgen und Neurowissenschaftler um Brian Pasley nun 15 Probanden Stimmen vorgespielt und zugleich die Hirnaktivität in einer bestimmten Region analysiert. Die Daten wurden in ein Computermodell eingespeist. Fütterten die Forscher den Rechner anschließend mit neuen Hirnstrom-Daten, konnten die Wissenschaftler ansatzweise Wörter rekonstruieren, die die Probanden zuvor gehört hatten.
Für die Studie wurden Patienten untersucht, die sich wegen schwerer Epilepsie oder eines Hirntumors operieren lassen mussten. Vor solchen Operationen wird den Betroffenen ein Netz von Elektroden direkt auf das Gehirn gesetzt, um herauszufinden, von wo die Krampfanfälle ausgehen und wo operiert werden muss. Die Elektroden seien den Patienten einige Tage bis etwa eine Woche vor der Operation eingesetzt worden, sagte Pasley.