Forscher rügen Klimawarnungen von Versicherungen
Baku, den 18.Oktober (AZERTAG). Stärkere Hurrikane, Gewitter, Niederschläge. Versicherungen verdienen am Wetter-Geschäft. Die Münchener Rückversicherung will den ersten Beweis dafür gefunden haben, dass der vom Menschen gemachte Klimawandel in Nordamerika immer mehr Wetterkatastrophen auslöst. Wissenschaftler sind entsetzt.
Versicherungen machen mit Wettergefahren Geschäfte, das weiß jeder Kunde. Die Debatte ums Klima hat nun dazu geführt, dass die Assekuranzen vermehrt Briefe verschicken, die vor häufigeren Unwettern warnen. Man schaffe „Angebote, die mit dem Klimawandel verbundene Risiken reduzieren“, schreibt etwa die Allianz.
Die Münchener Rück (MR), die Versicherungen gegen extreme Schadenszahlungen versichert, meldet einen wichtigen Befund: Naturkatastrophen der letzten 30 Jahre offenbarten „den ersten Fußabdruck“ des menschengemachten Klimawandels in Nordamerika. Prompt nehmen viele Medien die Meldung auf: „Katastrophen nehmen zu, warnt eine Versicherung“, heißt es da. Wissenschaftler jedoch kritisieren den Rückversicherer für sein Vorpreschen.
Tatsächlich warnt auch der Uno-Klimarat IPCC für die kommenden Jahrzehnte vor mehr Hitzewellen, Sturzregen und Hochwasser. Dass der Klimawandel das Wetter aber bereits extremer gemacht hätte, lässt sich in den meisten Fällen nicht beweisen. Mal trügt die Wahrnehmung, mal entspricht sie den Daten. Doch es muss nicht alles schlimmer werden: Kältekatastrophen und Stürme könnten laut IPCC-Report künftig sogar weniger werden.
Die meisten Prämien aus den USA-Zwar gilt es als bewiesen, dass der Mensch mit seinen Abgasen das Klima erwärmt. Doch wenn es um Extremwetter geht, übt sich der Uno-Klimarat in Zurückhaltung. Es könne Jahrzehnte dauern, bis sich das neue Klima bemerkbar mache. Bei allen natürlichen Klimaschwankungen fällt es meist erst spät auf, wenn Extreme häufiger werden - doch dann könnte es zu spät sein, den Klimawandel einzudämmen.
Das Hauptproblem ist die Seltenheit extremer Ereignisse, also der Mangel an Daten - er erschwert schon die Bestandsaufnahme. Eine große Menge an Daten ist nötig, um überhaupt zu ermitteln, ob der zunehmende Treibhauseffekt bereits in den vergangenen Jahrzehnten die Häufigkeit von Wetterextremen verändert hat.
Die Münchener Rück scheint geeignet, Aufklärung zu stiften. Sie verfügt nach eigenen Angaben über die „weltweit umfassendste Datenbank zu Naturkatastrophen“. Ihr wichtigster Markt sind die Vereinigten Staaten: „Weit über die Hälfte der Naturkatastrophen-Prämien kommen aus den USA“, sagt Vorstandsmitglied Peter Röder, der für den nordamerikanischen Markt zuständig ist.