Forscher warnen vor Aussterben einzigartiger Arten
Baku, den 11. September (AZERTAG). Saola-Wildrind, Kap-Gespenstfrosch und Java-Nashorn - diese Arten sind vorm Aussterben bedroht. Naturschützer haben eine Liste mit 100 Tieren und Pflanzen veröffentlicht, die es bald nicht mehr geben könnte.
Das Tarzan-Chamäleon, der Kalifornische Schweinswal oder das Zwergfaultier könnten nach Ansicht von Experten schon bald aussterben. Eine Liste mit den hundert am stärksten bedrohten Arten hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) bei ihrem Kongress auf der südkoreanischen Insel Cheju veröffentlicht.
„Alle aufgelisteten Spezies sind einzigartig und nicht zu ersetzen. Wenn sie verschwinden, kann sie kein Geld mehr wiederbringen“, betonte die Mitverfasserin der Liste, Ellen Butcher von der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL).
Bei den in dem Report aufgeführten 100 Tieren und Pflanzen handelt es sich um größtenteils weitgehend unbekannte, hochspezialisierte Arten mit einem oft sehr begrenzten Lebensraum. Unter Naturschützern sei die Sorge verbreitet, dass ein Aussterben dieser Lebewesen deshalb hingenommen werde, weil sie für den Menschen keinen offensichtlichen Nutzen hätten, teilten die Autoren mit.
Vermeintlich „nutzlose“ Arten-Spender und die Naturschutzbewegungen gewichteten Tierarten und Lebensräume zunehmend nach ihrem Nutzen für den Menschen, kritisierte ZSL-Direktor Jonathan Baillie. „Das macht es für Artenschützer extrem schwer, die am meisten bedrohten Arten zu retten.“ Mit ihrer Liste wollen die Verfasser Umweltgruppen nun weltweit für den Schutz dieser vermeintlich „nutzlosen“ Arten gewinnen.
Zwergfaultiere sind ausschließlich auf einer kleinen Insel vor der Küste Panamas beheimatet. Erst vor zwei Jahren hatten Forscher von der Entdeckung einer neuen Chamäleonart berichtet, die sie nach dem Fantasie-Dschungelhelden Tarzan benannten. Das Tier lebt in den Regenwäldern Madagaskars.
Auf der Liste stehen Arten aus 48 Ländern. Dazu zählen das dreifingrige Zwergfaultier (Bradypus pygmaeus), das nur auf einer kleinen Insel 17 Kilometer vor Panama lebt, sowie das als „asiatisches Einhorn“ bekannte, sehr scheue und seltene Saola-Waldrind (Pseudoryx nghetinhensis).
Gespenstfrosch und Meerengel-Ebenfalls darauf vertreten sind unter anderem die kaum mehr als 200 Exemplare umfassende Population des Kalifornischen Schweinswals (Phocoena sinus), das Tarzan-Chamäleon (Calumma tarzan) aus Madagaskar, der Zagros-Molch und diverse andere seltene Tier- und Pflanzenarten.
Auf der Liste sind auch das das Java-Nashorn, der in Südafrika vorkommende Kap-Gespenstfrosch und Meerengel, die zu den Haien zählen, zu finden.
Ungebremste Zerstörung des Lebensraums-Doch in dem IUCN-Bericht mit dem Titel „Unbezahlbar oder wertlos?“ sind nicht nur Tierarten aufgelistet - auch Pflanzen und Pilze könnten bald für immer verschwinden. So wächst der Pilz Cryptomyces maximus nur in einem kleinen Gebiet im britischen Wales.
Die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) bezeichnete die Ergebnisse in einer Mitteilung als „äußerst alarmierend“ und forderte Sofortprogramme zur Rettung der bedrohten Spezies. Ursachen für das Artensterben seien unter anderem die ungebremste Lebensraumzerstörung, der Klimawandel und die Wilderei.