Forscher warnt vor Erdbebengefahr in Atomanlage
Baku, den 20. Dezember (AZERTAG). Japans einzige Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstoffe ist nach Ansicht von Forschern stark erdbebengefährdet. Die Fabrik liege direkt auf einer seismischen Bruchlinie. Jetzt hat erneut ein Experte vor der Gefahr gewarnt - und die Regierung scheint sich erstmals zu bewegen.
Die Wiederaufbereitungsanlage im japanischen Rokkasho ist seit Jahren heftig umstritten: Wissenschaftler, Umweltschützer und besorgte Bürger befürchten, dass Naturgewalten die Fabrik gefährden könnten - und seit der Katastrophe von Fukushima ist ihre Angst größer denn je. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass die Anlage nur rund drei Kilometer von der Küste entfernt liegt - was sie für Tsunamis verwundbar machen könnte.
Ein Forscher hat jetzt erneut davor gewarnt, dass Rokkasho genau auf einer etwa hundert Kilometer langen und höchstwahrscheinlich aktiven seismische Bruchlinie liege. Die Bruchstelle könne ein heftiges Erdbeben bis zur Stärke 8,0 verursachen, sagte Yasutaka Ikeda, Geomorphologe an der Universität der Hauptstadt Tokio.
Ikeda ist nicht der erste Wissenschaftler, der davor warnt. Bereits 2008 hatten Geologen entsprechende Erkenntnisse vorgelegt. Die Betreiberfirma Japan Nuclear Fuel Limited (JNFL) warf den Forschern Panikmache vor. In Rokkasho seien keine Erdbeben mit einer Magnitude größer als 6,5 möglich, und die Wiederaufbereitungsanlage könne einer Stärke von 6,8 widerstehen.
Es wäre allerdings nicht das erste Mal, dass japanische Ingenieure die Naturgewalten unterschätzen. Der Tsunami vom März 2011 etwa, der den Atomunfall von Fukushima auslöste und Tausende Menschen tötete, erreichte eine Höhe von 15 Metern. So konnte die Welle die Schutzmauern des Kraftwerks als auch diverser Siedlungen an der Küste überwinden, die viel zu niedrig waren. Nach der Katastrophe stellte sich unter anderem heraus, dass der Energiekonzern Tepco die Gefahr durch Tsunamis für das AKW Fukushima bewusst verharmlost hatte, um eine Schließung des Kraftwerks zu verhindern.
Die japanische Regierung könnte daraus gelernt haben, wie nun die Reaktion auf die erneute Warnung vor einem Erdbeben in Rokkasho zeigt. Ein Vertreter der Regierung sagte, wenn die Behörden zu derselben Einschätzung wie Ikeda und andere Wissenschaftler kämen, müsse die Schließung der Wiederaufbereitungsanlage verfügt werden.
Erst am Freitag war eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission zu dem Schluss gekommen, dass das Kraftwerk Higashidori nahe der Wiederaufbereitungsanlage erdbebengefährdet sei. Seit dem Fukushima-Unfall sind in Japan nur zwei der 50 Atomreaktoren des Landes am Netz.