Gefährlicher Amphibienkiller greift auch Krebse an
Baku, den 18. Dezember (AZERTAG). Weltweit sterben Frösche und Lurche an einem Hautpilz. Nun haben Forscher das Reservoir für den Erreger ausgemacht. Offenbar überwintert er in Flusskrebsen und verbreitet sich deshalb
Manche Amphibien sterben sogar nur am Chytridpilz. Forscher diskutieren, ob der Pilz eine der Hauptursachen für das Sterben der Amphibien auf der Erde ist.
Nun berichten US-Biologen, dass die Gefahr offenbar noch größer ist, als bislang angenommen - dass sie aber möglicherweise einen Schlüssel gefunden haben, um die Ausbreitung der Krankheit zu bremsen. Im Fachjournal „PNAS“ schreibt das Team um Taegan McMahon von der University of South Florida in Tampa, dass der Pilz auch in anderen Wirtstieren überleben kann.
Der Pilz, Batrachchytrium dendrobatidis, nistet sich in Flusskrebsen ein. Offenbar tragen sie somit zum Sterben der Amphibien indirekt bei.
Batrachchytrium dendrobatidis breitet sich vor allem in Mittel- und Südamerika und in Australien seit Jahrzehnten aus. Viele Amphibienpopulationen sind deshalb bereits geschrumpft, einige Arten sogar ausgestorben. Der Pilz kann aber auch da überleben, wo es überhaupt keine Amphibien mehr gibt.
Eine naheliegende Vermutung ist, dass der Pilz sich einen anderen Wirt sucht.
Die Forscher um McMahon hatten als „Überlebenshelfer“ Flusskrebse in Verdacht. Deshalb fingen sie in den US-Staaten Colorado und Louisiana zwei Arten von Flusskrebsen und eine Fischart gefangen, die in typischen Amphibienregionen lebten. Bei den Flusskrebsen zeigte sich, dass sie vom Pilz befallen waren. Die Wissenschaftler fanden seine Sporen im Darm der Krebse. In den Fischen fanden die Wissenschaftler keine Pilzsporen.
Wenn die Krebse tatsächlich eine so wichtige Rolle im Vermehrungs- und Verbreitungszyklus der Pilze einnehmen, könnte das auch die rasante Verbreitung der Amphibienkrankheit um die Welt erklären.
Flusskrebse würden regelmäßig national und international zwischen Gewässern transportiert - etwa als Lebensmittel, für Aquakulturen oder Aquarienhaltung, schreiben die Wissenschaftler. Dass dabei immer wieder Tiere entkommen und sich im Freiland ansiedeln, sei bekannt.
Da Experten der Bekämpfung des Amphibienkillers bislang tatenlos zusehen mussten, könnte die Entdeckung der Pilz-Krebs-Amphibien-Zusammenhänge einen Ansatz bilden, um die weltweite Epidemie einzudämmen.