General Tchiani in Niger ernennt sich zum De-facto-Präsidenten
Baku, 28. Juli, AZERTAC
Zuerst hat die Präsidentengarde den Mann festgesetzt, den sie beschützen soll. Dann erklärt sie Ausgangssperren im Land und den Präsidenten für abgesetzt. Nun, zwei Tage nach dem Putsch in Niger, hat sich der Chef der Präsidentengarde, General Omar Tchiani, selbst zum neuen Machthaber des Landes erklärt.
Erst am Mittwoch hatten Offiziere seiner Präsidentengarde, einer Eliteeinheit des Militärs, Bazoum in seinem Palast festgesetzt. Tchiani ist General des Heeres und wurde von Bazoums Vorgänger Mahamadou Issoufou nach dessen Amtsübernahme 2011 an die Spitze der Präsidentengarde befördert.
Ob Tchiani Rückhalt der gesamten Armee hat, war zunächst unklar. Die Streitkräfte des westafrikanischen Landes hatten sich am Donnerstag der Forderung der rebellierenden Militärs nach einem Ende der Amtszeit von Bazoum angeschlossen. Sie begründeten dies aber vorrangig mit der Vermeidung von Blutvergießen.
Internationale Ängste - Der Militärputsch wird international mit Sorge betrachtet. Die europäischen Bemühungen um eine Stabilisierung der Sahelzone erlitten dadurch einen schweren Rückschlag. Nach Militärputschen in Mali und Burkina Faso seit 2020 war der Niger das letzte der drei Nachbarländer in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewählten Regierung geführt wurde.
Die Bundeswehr unterhält in Niamey einen Lufttransportstützpunkt für das militärische Engagement in Westafrika, auf dem rund hundert deutsche Soldaten arbeiten. Kampfschwimmer der Deutschen Marine waren in den vergangenen Jahren an der Ausbildung nigrischer Spezialkräfte im Grenzgebiet zu Mali beteiligt. Das Programm galt als Vorzeigeobjekt.
Erst Ende 2022 hatte die EU eine Militärmission in Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekämpfen. Die Bundeswehr stellt für diese auf drei Jahre angelegte EU-Mission bisher nur einige wenige Soldaten, die in der Hauptstadt Niamey sind.
Für die EU ist die Lage in Niger auch bedeutend, weil es eines der wichtigsten Transitländer für afrikanische Migrantinnen und Migranten ist, die die Küsten des Mittelmeers erreichen und von dort aus nach Europa übersetzen wollen. Deshalb hatten die EU und Niger bereits im vergangenen Sommer vereinbart, beim Thema Menschenschmuggel enger zusammenzuarbeiten.
Niger mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen belegte das Land in der Sahelzone zuletzt Platz 189 von 191. Mehr als 40 Prozent der Menschen leben in extremer Armut.