Golfstrom lief auch in der Eiszeit auf Hochtouren
Baku, den 16.Oktober (AZERTAG). Der Golfstrom gilt als Fernheizung Europas - reißt er ab, wird es kalt. Entgegen früherer Annahmen belegen Forscher nun, dass die warme Meeresströmung während der Eiszeit sogar schneller war als heute.
Die warmen Meeresströmungen des Atlantiks sind auch in der Eiszeit vorhanden gewesen. Entgegen bisherigen Annahmen schwächte sich damals die für das Klima Europas so wichtige „Fernheizung“ nicht ab, sondern war sogar stärker als heute.
Das hat ein internationales Forscherteam unter Leitung von Umweltphysikern der Universität Heidelberg herausgefunden. In Bohrproben des Meeresgrunds fanden sie Hinweise darauf, dass vor rund 20.000 Jahren mindestens genauso viel kaltes Tiefenwasser nach Süden strömte wie heute.
Parallel dazu müsse auch genauso viel warmes Wasser aus den Tropen nach Norden geströmt sein. Die neue Erkenntnis sei wichtig, um bisherige Klimamodelle zu verbessern, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“.
Denn nur wenn ein Modell die Wechselwirkungen von Ozean und Klima in der Vergangenheit korrekt abbilde, könne es auch die klimatische Zukunft richtig vorhersagen.
Wichtiger Faktor für Europas Klima-Die Meeresströmungen des Atlantiks gelten als wichtiger Klimafaktor vor allem für Europa: „Dank des Golfstroms und seiner nördlichen Ausläufer ist es hierzulande weit wärmer als auf denselben Breitengraden in Nordamerika“, erklärt Erstautor Jörg Lippold von der Universität Heidelberg.
Die vom Ozean zu uns transportierte Wärme entspreche der Leistung von einer Million Großkraftwerken. „Ohne diesen Wärmetransport des Meeres würden in Nord- und Westeuropa deutlich kühlere Temperaturen herrschen“, sagt der Forscher.
Die auch als Fernheizung Europas bezeichneten warmen Meeresströmungen entspringen im Golf von Mexiko. Gelenkt durch Winde und die Erddrehung strömt das warme Wasser von dort aus Richtung Nord-Ost. Dabei kühlt das Oberflächenwasser ab, wird dadurch immer dichter und sinkt im Nordatlantik schließlich bis in 4000 Meter Tiefe ab.
Von dort aus fließt es als kaltes Tiefenwasser wieder zurück in den Süden. Diesen Rückfluss haben die Forscher anhand von Bohrkernen aus dem Meeresgrund nun erstmals quantitativ bestimmt, wie sie berichten.
Radioaktive Zerfallsprodukte als Strömungsmesser-Für ihre Studie hatten die Forscher das Verhältnis zweier radioaktiver Zerfallsprodukte - Protactinium-231 und Thorium-130 - in Sedimentproben aus dem Atlantik untersucht.
Beide Isotope entstehen, wenn das im Meerwasser natürlich vorkommende Uran zerfällt. Während Thorium ohne Umwege ins Sediment am Meeresboden eingelagert wird, folgt das Protactinium der Zirkulation und wird mit der Strömung der Tiefsee aus dem Nordatlantik befördert. Das Mengenverhältnis der beiden Stoffe im Sediment spiegelt daher die Strömungsstärke wider.
In Bohrkernproben aus der Zeit vor rund 20.000 Jahren fanden die Forscher deutlich weniger Protactinium als erwartet. Zu dieser Zeit muss die Meeresströmung ihren Berechnungen nach daher mindestens genauso stark oder sogar stärker gewesen sein als heute.