Historisches Olympia-Debüt in Pyeongchang
Baku, 10. Februar, AZERTAC
Tanzende Cheerleader aus dem Norden, jubelnde Fans aus dem Süden: Das vereinte koreanische Eishockey-Team der Frauen hat bei seinem historischen Olympia-Debüt in Pyeongchang große Begeisterung ausgelöst - trotz der 0:8 (0:3, 0:3, 0:2)-Niederlage gegen die Schweiz. "Korea, wir sind eins", schallte es aus 3600 Kehlen durch das Kwandong Hockey Centre, als 70 Jahre nach der Teilung erstmals eine gemeinsame Mannschaft auftrat.
Vor dem südkoreanischen Staatspräsidenten Moon Jae In, Kim Yong Nam, dem protokollarischen Staatsoberhaupt Nordkoreas, und IOC-Präsident Thomas Bach schrieben 23 Eishockeyspielerinnen Sportgeschichte: 20 aus dem Süden, drei aus dem Norden. Sie sandten mit ihrem symbolträchtigen Auftritt ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung - für zwei Länder, die sich offiziell noch immer im Krieg befinden.
Vor zehn Monaten hatten sie noch gegeneinander gespielt: Bei der viertklassigen WM der Division II A hatte im April Südkorea den Nachbarn aus dem Norden mit 3:0 besiegt und war aufgestiegen. Auch das war schon ein Novum gewesen.
200 Cheerleader bringen das Publikum zum jubeln - Jetzt liefen drei Nordkoreanerinnen im gemeinsamen Team auf: Jong Su Hyon, Kim Un Hyang und Hwang Chung Gum hatte die kanadische Trainerin Sarah Murray aus den insgesamt zwölf Spielerinnen aus dem Norden ausgewählt - nicht als Außenseiter in der vierten Sturmreihe, sondern mittendrin.
Schon am Vorabend bei der Eröffnungsfeier hatten Jong als Fackelträgerin zusammen mit der Kapitänin Park Jongah und Hwang als Fahnenträgerin mit dem südkoreanischen Bobfahrer Won Yun Jong eindrucksvolle Zeichen gesetzt.
Eine Viertelstunde vor dem ersten Bully hatten die Cheerleader von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ihren ersten großen Auftritt. Ganz in Rot gekleidet und strategisch in der ganzen Arena verteilt, klatschten, winkten, tanzten und sangen die 200 jungen Frauen - und das Publikum jubelte.
Erst im Januar hatten Nord- und Südkorea vereinbart, eine gemeinsame Eishockey-Mannschaft für Pyeongchang zu bilden. Zwölf Nordkoreanerinnen stießen vor gut zwei Wochen zum 23-köpfigen Team des Südens. Drei von ihnen muss Trainerin Murray in jedem Spiel einsetzen, das sieht die Vereinbarung vor.
Vor dem ersten olympischen Auftritt hatte die Kanadierin ihren Spielerinnen immer wieder gesagt: "Wir wollen kein politisches Statement abgeben, sondern gewinnen." Es passierte genau das Gegenteil.