Im Kampf gegen Aids fordern Experten ein Umdenken
Baku, den 2. Juli (AZERTAG). Im Kampf gegen Aids fordern Experten ein Umdenken. Weniger Verbote und Strafen könnten weltweit die HIV-Neuinfektionen senken. Bisher wurden Präservativmittel verteilt und Aufklärungskampagnen gestartet. Nun entwickeln Experten ein weiteres Mittel im Kampf gegen Aids: eine liberalere Drogenpolitik. In einer aktuellen Studie stellen sie einen direkten Zusammenhang her zwischen dem globalen Kampf gegen Drogen und der Zahl der HIV-Infektionen. Ihre These: Verbote treiben Drogenabhängige in den Untergrund, wo sie für Hilfsangebote, Prävention und Aids-Tests nicht mehr erreichbar sind. Viele abhängige Aids-Kranke würden nicht behandelt, weil sie Strafen fürchten. Die repressive Drogenpolitik fördere so die Aids-Verbreitung.
Erst am Dienstag hatte die UN-Behörde für Drogen und Kriminalitätsbekämpfung ihren Weltdrogenbericht veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der Drogensüchtigen vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern drastisch gestiegen.
Von den Ländern im südlichen Afrika abgesehen ist Drogengebrauch heute weltweit für durchschnittlich ein Drittel der Aids-Neuinfektionen verantwortlich, so die unabhängige Globale Kommission für Drogenpolitik, ein Expertengremium, das diese Woche seinen Bericht How the Criminalization of Drug Use Fuels the Global Pandemic vorgelegt hat. Darin vergleichen die Forscher verschiedene Länder und deren Umgang mit Drogen. Dort, wo Regierungen den Drogenabhängigen Hilfe bieten und Abhängigkeit als Gesundheitsproblem anerkannt wird, sinkt die Zahl der HIV-Infektionen deutlich.
Als Beispiel nennen die Wissenschaftler die Schweiz, wo Abhängige seit den achtziger Jahren saubere Spritzen und unter Aufsicht sogar Heroin-Dosen bekommen können. Von 68 Prozent im Jahr 1985 auf 5 Prozent 2009 sank die Zahl der HIV-Infektionen unter Drogenabhängigen. In Portugal wurde eine geringe Menge harter Drogen für den persönlichen Gebrauch erlaubt - die Zahl der Neuinfektionen unter Abhängigen sank dort zwischen den Jahren 2000 und 2008 von 900 auf 270.
In manchen Ländern wie in Tansania laufen zwar Hilfsprogramme. In Indien beispielsweise gibt es die NGO Atmata Kendram, die an Schulen und in Dörfern über Sucht und die Aids-Gefahr aufklärt.