Internationale Konferenz zur Geschichte der Kaukasusdeutschen in Berlin
Berlin, 21. Dezember, AZERTAC
Nachdem im Februar 2017 die Ausstellung ”Entgrenzung. Deutsche zwischen Württemberg und Kaukasien“ mit großem Erfolg in Berlin gezeigt wurde, fand am 16./17. Dezember 2017 an der Humboldt-Universität zu Berlin eine internationale Tagung zum Thema ”Entgrenzung. Deutsche Migration nach und aus Kaukasien“ statt. Sie wurde organisiert durch den Kultur- und Wissenschaftsverein EuroKaukAsia e.V. und dem Lehrstuhl Geschichte Aserbaidschans an der HU unter Leitung von Frau Prof. Eva-Maria Auch. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch das Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des 200. Jubiläums deutscher Ansiedlung in Südkaukasien.
Nachdem Frau Prof. Auch in ihrem Einführungsvortrag die Siedlungsgeschichte in den Kontext der sozialhistorischer Migrationsforschung einordnete und Anregungen für neue wissenschaftliche Fragestellungen gab, stellte sie inhaltliche Schwerpunkte der Ausstellung vor, die wiederum auf großes Interesse stiess.
Einen ersten Schwerpunkt bildeten Vorträge und Diskussionen zur Siedlungsgeschichte (Dr. H. Verdiyeva, Baku) und zum städtischen Wirken Deutscher. So sprach Frau Prof. M. Mania (Tbilisi) über deutsche Architekten in Tiflis, Herr Prof. H. Wessel (Nürnberg) über das Wirken von Mannesmann, Siemens und Nobel in Aserbaidschan und Dr. Nawroth (Berlin) über deutsche Maler in Südkaukasien.
Es folgten sehr spannende Ausführungen zur Nationalitätenpolitik und den Verfolgungen der deutschen Minderheit in den 1920/30er Jahren (Dr. M. Jafarly/Baku, Dr. A. Eisfeld/Göttingen), Fragen der Rehabilitierung (Dr. V. Krieger, Heidelberg) und der Traumabewältigung unter Spätaussiedlern (Dr. Arnold, Nürnberg). In einem zweiten Teil standen Fragen der Identitätsbildung und Integration von Kaukasusdeutschen im Mittelpunkt. In einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Dr. R. Mirzayev kamen Kaukasusdeutsche verschiedener Generationen und Erfahrungshintergründen zu Wort.
Im dritten und abschliessenden Teil wurden dann praktische Fragen beraten, so z.B. die Möglichkeiten und Grenzen von Familienforschung in Archiven und die Herstellung eines touristischen Leitsystems zur Geschichte der Kaukasusdeutschen für Göygöl.
Vugar Seyidov, AZERTAC
Berlin