Klima sucht Retter
Baku, den 26. November (AZERTAG). Beim Uno-Gipfel in Katar soll in dieser Woche das Klima gerettet, die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt werden. Doch Experten glauben nicht an einen Erfolg. Selbst die Europäer, die die Verhandlungen lenken könnten, gehen mit schlechtem Beispiel voran. Die Zahlen sind eindeutig. Eindeutig desaströs. In seinem „Emissions Gap Report 2012“ rechnet das Uno-Umweltprogramm (Unep) vor, wie katastrophal die Welt bisher beim Klimaschutz versagt hat. Allein seit dem Jahr 2000 sind die CO2-Emissionen um rund 20 Prozent gestiegen, das haben 55 Forscher aus mehr als 20 Ländern nachgerechnet. Man muss sich klar machen. Im gleichen Zeitraum hat ein knappes Dutzend Weltklimagipfel stattgefunden - auf denen Politiker gebetsmühlenartig die Gefahr beschworen und zum Handeln gemahnt haben.
Das Problem: Pro Jahr bläst die Menschheit 50 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre. Und weil viele Leute mit dieser Zahl wohl wenig anfangen können. Das sind 50.000.000.000.000 Kilogramm, jedes Jahr. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise legen die Emissionen gerade wieder munter zu.
Vor diesem Hintergrund beginnt im Golfstaat Katar nun am Montag der insgesamt 18. Weltklimagipfel. Dass die Gastgeber der Staat mit dem weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf sind - geschenkt. Dass sich Oppositions- und Regierungspolitiker, Umweltschützer und Industrievertreter mit den erwartbaren Statements zu Wort melden - ebenfalls. Die entscheidende Frage für den Gipfel in Doha bleibt ganz simpel. Was tut die Menschheit gegen die Gefahren eines gefährlichen Klimawandels? Nur mit Reden, so viel steht fest, lässt sich nicht mal eben kurz die Welt retten.
Wie kommen die Verhandlungen voran? Wer blockiert?-„Das aktuelle Tempo des internationalen Klimaschutzes ist absolut unzureichend, um das angestrebte Zwei-Grad-Ziel tatsächlich zu erreichen“, warnt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) unmittelbar vor dem Gipfel. „Wir müssen versuchen, die Trendumkehr zu schaffen. In Deutschland haben wir sie schon erreicht, in anderen Regionen sind wir davon noch kilometerweit entfernt.“
Weder die USA noch Länder wie China oder Indien haben in den vergangenen Jahren Interesse gezeigt, beim Klimaschutz global voranzugehen. In Washington konnte US-Präsident Barack Obama größeres Engagement nicht in der heimischen Politik durchsetzen. Auch nach der Wiederwahl lässt er Enthusiasmus vermissen. Von der neuen chinesischen Führung wird einstweilen auch wenig zu erwarten sein, sie muss ihre Linie noch finden. Die Schwellenländer verweisen generell auf ihren weiter bestehenden Aufholbedarf - und darauf, dass die klassischen Industrieländer aus der Vergangenheit noch eine CO2-Schuld haben. Für die Zeit, in der sie die Atmosphäre allein verpestet haben.
Ein globaler Klimavertrag soll bis 2015 ausgehandelt sein und fünf Jahre später in Kraft treten. Das ist erstens eine optimistische Vorstellung, zweitens lange hin - und drittens müssten nach den Unep-Berechnungen die globalen Emissionen bis dahin ihren Höhepunkt schon erreicht haben. „Entscheidend ist, dass alle Staaten eigenverantwortlich vorarbeiten“, sagt Regine Günther von der Umweltorganisation WWF.