Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimaschutz-Experten setzen Europäer unter Druck

Baku, den 15. April (AZERTAG). Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sind gleichzeitig möglich. Das ist die Botschaft im dritten Teil des neuen Weltklimaberichts. Das Dokument könnte vor allem die Europäer vor eine echte Herausforderung stellen.

Hunderte Wissenschaftler aus knapp 60 Ländern hatten an dem Dokument mitgeschrieben, das am Sonntag in Berlin vorgestellt wurde. Es ging um die Frage, wie sich ein Anstieg der Treibhausgasmengen in der Atmosphäre bremsen lässt - und was das kostet.

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum seien gleichzeitig möglich, erklären die Forscher. Insbesondere Entwicklungs- und Schwellenländer hatten das immer wieder in Zweifel gezogen. Die IPCC-Experten äußern sich nun optimistisch - und belegen ihre Aussage mit einer Rechnung zu den weltweiten Konsumausgaben für Güter und Dienstleistungen: Die werden laut Schätzungen konstant um 1,6 bis drei Prozent pro Jahr steigen - und nur durchschnittlich 0,06 Prozentpunkte davon würden durch Klimaschutz beansprucht.

Das Problem: In der Zusammenfassung des Klimaberichts ist keine Rede davon, wer wie viel der Zeche zahlen soll. Allein die Industrieländer, zu denen die europäischen Staaten oder die USA zählen? Oder auch die aufstrebenden Schwellenländer, allen voran China? Das festzulegen ist nicht Aufgabe der IPCC-Wissenschaftler, die internationalen Klimadiplomaten müssen sich einigen.

Die Forscher fertigten mit den Berichten “eine Landkarte mit vielen möglichen Pfaden“ an. Die Politik müsse dann einen Weg wählen. „Der IPCC versteht sich nicht als Gremium, das Entscheidungsträgern vorschreibt, was sie zu tun haben.“

Im letzten Bericht des Weltklimarates stand freilich noch zu lesen. Die Industrieländer müssten ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent senken, wenn man die Werte von 1990 zugrunde legt. Punkt. Genau dieser Satz diente der Europäischen Union zur Festlegung ihres Klimaziels - mit Verweis auf den IPCC.

In der aktuellen Ausgabe des Berichts findet sich diese Zahl nun aber nicht mehr. Hier ist nur die Rede davon, dass der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen bis zur Mitte des Jahrhunderts um 40 bis 70 Prozent sinken muss - ohne dass klar wird, wer dazu was beiträgt.

Für die Wissenschaftler ist die fehlende regionale Differenzierung praktisch - setzen sie sich so nicht dem Vorwurf aus, der Politik in ihr Kerngeschäft hereinzureden. Doch für die EU könnte die neue Linie zum massiven Problem werden. Die Europäer habe ihre Klimaschutzziele für 2050 direkt aus der Zahl im letzten IPCC-Bericht abgeleitet, 80 bis 95 Prozent bis 2050. Wenn es nun im neuen Bericht keine Vorgabe für die Industrieländer mehr gibt, muss die EU eigenständig etwas festlegen - und das wird sie nicht hinbekommen.

Die Europäer streiten gerade schon über die Klimaziele bis 2030. Sie sollen im Herbst feststehen. Die EU-Kommission will die CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken. Für die erneuerbaren Energien gibt es aber nur einen europaweiten Wert, Vorgaben für die einzelnen Staaten gibt es nicht. Auch für die Steigerung der Energieeffizienz gibt es kein Ziel.

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