Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimawandel bedroht globale Nahrungsproduktion

Baku, den 15. April (AZERTAG). Reichen die produzierten Nahrungsmittel aus, um in Zukunft neun Milliarden Menschen satt zu bekommen? Experten aus aller Welt beschäftigen sich derzeit auf zwei Kongressen in Dublin mit Fragen zur Ernährungssicherheit - und schlagen Alarm. Der Klimawandel bedroht die Versorgung der Armen.

Es ist genau eine Frage, mit der sich weltweit Hunderte Forscher beschäftigen und die dieser Tage bei gleich zwei Konferenzen in Dublin im Zentrum der Diskussionen steht. Reichen das Land und das Wasser auf der Erde aus, um neun Milliarden Menschen zu ernähren?

Viel Zeit für die Beantwortung bleibt den Experten, die jetzt in Irland zusammengekommen sind, nicht: Bis 2050 soll die Weltbevölkerung um gut zwei Milliarden Menschen reicher sein als heute, wobei das Bevölkerungswachstum Uno-Prognosen zufolge fast ausschließlich in den Entwicklungsländern stattfinden wird. Allein in Afrika wird sich die Bevölkerung voraussichtlich von rund einer Milliarde auf etwa 3,6 Milliarden Menschen verdreifachen. Aus diesem Grund schlagen die Wissenschaftler anlässlich der Konferenzen um Ernährungssicherheit in Dublin Alarm.

Es sind düstere Szenarien, die sie voraussagen: Millionen Menschen in Afrika und Asien drohen zu verarmen, weil sich die Preise für Grundnahrungsmittel bis 2050 verdoppeln werden. Als einen Hauptverantwortlichen für die bedrohliche Entwicklung machen die Forscher den Klimawandel aus. Die Erderwärmung werde mittelfristig zu extremen Temperaturen, Fluten und Dürrekatastrophen führen - und damit zu einer massiven Beeinträchtigung der Nahrungsmittelproduktion.

„Die Nahrungsmittelproduktion muss bis 2050 um 60 Prozent steigen“

Die Folgen: Insbesondere in Afrika werden die Menschen künftig häufiger von Hungerkatastrophen betroffen sein, als sie es ohnehin schon sind. Derzeit gelten laut Uno etwa eine Milliarde Menschen als unterernährt, die Zahl wird vor allem in den Entwicklungsländern drastisch steigen. Wie drastisch dieser mittelmäßige Effekt sein wird, macht Frank Rijsberman deutlich: „Allein um mit der wachsenden Weltbevölkerung und der daraus steigenden Nachfrage für Lebensmittel stand zu halten, muss die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 60 Prozent steigen“, sagte der CEO des CGIAR-Konsortiums (Consultative Group on International Agricultural Research) in einem „The Observer“-Artikel.

Zwar steigt weltweit die Nahrungsmittelproduktion, doch Rijsberman geht davon aus, dass der Klimawandel diesen Fortschritt verschlingen werde. „Die Gesamtmenge an produzierten Nahrungsmitteln macht uns keine so großen Sorgen“, sagt er. „Wir sind vielmehr über die Verwundbarkeit jener einer Milliarde Menschen besorgt, die schon jetzt nichts zu essen haben. Sie wird der Klimawandel am stärksten treffen. Und sie haben kaum Möglichkeiten, sich daran anzupassen.“

2011 machte eine US-Studie deutlich, wie sehr dieser Effekt bereits zu spüren ist. Obwohl die Erträge von Weizen, Mais, Reis und Soja zwischen 1980 und 2008 massiv nach oben gingen, ließ der Klimawandel den Ertragsanstieg zum Teil geringer ausfallen, als es ohne die globale Erderwärmung der Fall gewesen wäre.

Andy Jarvis von der CGIAR warnte schon damals: „Wenn die Temperaturveränderungen zwei Grad erreichen, dann könnte das katastrophal für die globale Landwirtschaft werden und massiven Einfluss darauf haben, ob sich die Gesellschaft mit Nahrung versorgen kann.“ Dass die Erde vor einer Erwärmung um mehr als zwei Grad kaum noch zu retten ist, halten Experten für ausgemacht.

Auch in den Industrienationen müssen sich Landwirte auf Wetterextreme und Erntedesaster vorbereiten. Vor kurzem legte ein 60-köpfiges hochrangiges Expertengremium im Auftrag des US-Handelsministeriums ein 400-seitiges Gutachten vor, in dem die Ernährungsszenarien der nahen Zukunft durchgespielt werden.

Dürren weltweit sorgen jetzt schon für massive Ernteausfälle

Das Fazit: Innerhalb der nächsten drei Dekaden müssen die USA, die derzeit noch etwa 40 Prozent der weltweiten Mais- und Sojaproduktion stemmen, mit massiven Ernteeinbußen rechnen - ausgelöst durch Hitzewellen, Wirbelstürme und andere Wetterextreme. Erst im vorigen Jahr sorgte eine historische Dürre in den USA für eine weltweite Nahrungskrise. Neben den USA hatten in der vergangenen Zeit auch Landwirte in Russland, der Ukraine, Kanada und Australien mit derartigen dramatischen Ernteausfällen zu kämpfen.

 

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