Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Klimawandel treibt Getreidepreise hoch

Baku, den 31. Mai (AZERTAG). Forscher haben berechnet, wie sich Ernteerträge im Laufe der Erderwärmung verändern könnten. Die Simulationen zeigen einen deutlichen Preissprung bei den wichtigsten Getreidesorten. Doch die Unsicherheiten der Rechnungen sind groß. Sagt ein Klimaforscher: „Mein Klimamodell funktioniert wirklich gut.“ Fragt ein Politiker: „Wirklich?“ Antwortet der Wissenschaftler: „Nicht wirklich wirklich.“

Der auf Konferenzen oft erzählte Witz zeigt, dass Selbstironie zum Repertoire von Forschern gehört, die das Klima vorhersagen - denn ihre Ergebnisse sind nicht selten unsicher. Einer aktuellen Umfrage zufolge glaubt nur eine Minderheit der Klimaforscher, die Prognosen seien „ausreichend präzise“. Gleichwohl rekonstruieren Großcomputer anhand von Abermillionen Rechnungen das Klima der Vergangenheit mitunter erstaunlich realistisch, weshalb zumindest grobe Zukunftstrends als recht verlässlich gelten.

Nun wagen Forscher eine Prognose, wie der Klimawandel landwirtschaftliche Erträge global verändern könnte. Bis 2050 könnte die Erderwärmung die Ernte verknappen, so dass die Preise für Weizen, Reis, Mais und Soja im fünfjährigen Durchschnitt 10 bis 60 Prozent höher lägen als ohne Klimawandel. Dürren könnten die Preise zeitweise noch weitaus höher treiben, heißt es in der internationalen Großstudie „AgMIP“, die auf der Tagung „Impacts World“ in Potsdam vorgestellt wurde. Das Ergebnis soll in den nächsten Uno-Klimabericht einfließen.

Landwirtschaft im Klimawandel - Für die Prognose haben Wissenschaftler die Wirkung des Klimawandels auf den Getreidehandel berechnet. Zunächst modellierten sie die Witterung der nächsten Jahrzehnte. Zugrunde gelegt wurde die Annahme, dass ungebremster Treibhausgasausstoß die Luft weiter erwärmen wird. Die Ergebnisse von fünf Klimamodellen wurden dann eingespeist in Computermodelle, die die Wirkung des Klimas auf Getreide berechnen.

Anhand der Ernteerträge wiederum simulierten neun ökonomische Modelle, wie sich im Welthandel neue Marktpreise für die wichtigsten Getreidesorten einstellen. Die Prognosen gründeten auf der Annahme, dass die Weltbevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts auf neun Milliarden wächst und auch die Wirtschaftsleistung stetig zunimmt.

Die Unsicherheiten der Szenarien seien zwar erheblich, räumt die Umweltforscherin Cynthia Rosenzweig vom US-Forschungsinsitut Nasa ein, die die Berechnungen koordiniert. Allerdings hätten neuere Modelle die Ernteentwicklung vergangener Jahrzehnte zufriedenstellend nachgebildet. Folglich ließen sich erste Trends ableiten.

CO2 düngt Getreide - Ein entscheidender Effekt sei, dass zahlreiche Anbaugebiete etwa in Südeuropa oder Südasien im Zuge des Klimawandels den Modellen zufolge weniger Niederschlag abbekommen könnten, berichtet Agrarökonom Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die Düngewirkung des Treibhausgases CO2 auf das Getreidewachstum und die Ausdehnung von Anbauflächen in höhere Breiten dürften die regional vermehrte Trockenheit nicht ausgleichen können, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Manche Unsicherheiten der Rechnungen legten Forscher auf der Potsdamer Tagung offen. Während globale Klimamodelle bereits recht robust erscheinen, wird die Simulation von Getreideflächen erst seit wenigen Jahren praktiziert. Entsprechend grob sind die Modelle gestrickt. Selbst die Atmung der Pflanzen wird bislang nicht ausreichend dargestellt - sie entscheidet allerdings wesentlich über das Wachstum.

Die Unsicherheit der Szenarien gründet zudem auf mangelndem Verständnis der Natur: Wie sich der Düngeeffekt der Treibhausgase, Temperatur und Niederschlag auf Getreide tatsächlich auswirken, sei Gegenstand aktueller Forschung, räumt Rosenzweig ein.

 

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