Kliniken setzen Geldeintreiber auf Patienten an
Baku, den 25. April (AZERTAG). Operation nur gegen Vorkasse. In den USA setzen immer mehr Krankenhäuser Inkasso-Büros darauf an, Behandlungskosten von Patienten einzutreiben - mit teils rabiaten Methoden. Eine Staatsanwältin aus Minnesota hat dem Treiben nun den Kampf angesagt.
Kliniken in den USA greifen zu immer härteren Mitteln, um säumige Patienten zur Zahlung zu zwingen. Allein die rund 5000 öffentlichen Krankenhäuser beklagen Rückstände in Höhe von 40 Milliarden Dollar. Viele arbeiten mittlerweile mit privaten Geldeintreibern zusammen. Doch deren Methoden sind brutal - und häufig an der Grenze der Legalität. Das zeigt ein Bericht der Generalstaatsanwältin des Bundesstaats Minnesota, Lori Swanson.
Swanson veröffentlichte nun Hunderte interne Dokumente von Accretive Health, einer Firma, die zu den größten Geldeintreibern im US-Gesundheitswesen zählt. Mehrere US-Medien, darunter die „New York Times“, zitieren umfangreich aus dem Bericht, er offenbart die Praktiken einer zwielichtigen Branche. Bereits im Januar hatte die Staatsanwältin Anklage gegen Accretive erhoben - wegen Verstößen gegen Datenschutzgesetze und das Arztgeheimnis.
Mitarbeiter der Firma beschränken sich dem Bericht zufolge nicht mehr darauf, säumige Patienten nach der Behandlung unter Druck zu setzen. Menschen, die eine Notaufnahme betreten wollen, würden meist schon am Eingang aufgefordert, eine Anzahlung zu leisten. Als erstes sollten Mitarbeiter die Patienten stets nach ihrer Kreditkarte fragen, zitiert die „New York Times“ aus dem Bericht der Staatsanwältin. Wenn dies nicht klappe, laute die Anweisung im Standardprozedere, den Patienten weiter zu bedrängen: „Wenn Sie ihr Scheckbuch aus dem Auto holen möchten, warte ich gerne hier auf Sie.“
Ein weiterer Vorwurf: Accretive-Mitarbeiter sollen sich aus Patientenakten bedient haben, um die Schwere der Krankheiten und die Kreditwürdigkeit der Betroffenen zu kalkulieren. Auf der Grundlage dieser Daten seien dann schwarze Listen angelegt worden - mit Patienten, die möglichst nicht mehr behandelt werden sollen. Damit könnten die Ínkasso-Büros gegen Staats- und Bundesgesetze verstoßen haben, so Swanson.