Kostenlose Medikamente für 1,2 Milliarden Menschen
Baku, den 5. Juli (AZERTAG). Die indische Regierung hat ein milliardenschweres Gesundheitsprogramm gestartet. Der ehrgeizige Plan stärkt die eigenen Hersteller, die internationale Konkurrenz wird aus dem Markt gedrängt. Nach einem Gutachten sollen mehrere Pharmakonzerne bei der Zulassung ihrer Pillen getrickst haben.
Indische Ärzte sollen ihren Patienten nur noch Generika verordnen, also wirkstoffgleiche Kopien eines bereits auf dem Markt befindlichen Medikaments - und die Abgabe dieser Generika soll kostenlos erfolgen. Umgekehrt werden Mediziner, die noch Originalpräparate verordnen mit einer Strafe belegt. Wie die indische Regierung am Mittwoch bekannt gab, soll in einem ersten Schritt bis April 2017 gut die Hälfte der Bevölkerung in den Genuss von kostenlosen Medikamenten kommen.
Die Pläne für das milliardenschwere Gesundheitsprogramm seien bereits im vergangenen Jahr verabschiedet worden. Man habe sie aber bislang nicht veröffentlicht, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Neu-Delhi. Das Vorhaben habe insgesamt ein Volumen von 5,4 Milliarden Dollar.
Damit die Ärzte auch die richtigen Pillen verordnen, bekommen sie von der Regierung eine Liste mit Generika, die sie ausgeben dürfen. Profitieren von den Plänen dürften vor allem inländische Hersteller wie Dr. Reddy's oder Cipla, internationale Pharmakonzerne wie Bayer, Pfizer, GlaxoSmithKline oder Merck werden somit vom Markt ausgeschlossen - der aufgrund der Bevölkerungsstärke und zahlreicher weit verbreiteter Erkrankungen wie Diabetes als äußerst lukrativ für die Unternehmen gilt.
Gesundheitsökonomen werten den Schritt als weiteren schweren Schlag für die multinationalen Konzerne - es ist schon das dritte Mal innerhalb weniger Monate, dass die indische Regierung den großen Herstellern zusetzt. Erst Anfang April bewilligte das indische Patentamt einen Antrag des Generikaherstellers Natco, das Krebsmittel Nexavar von Bayer nachmachen zu dürfen.
Das Urteil hatte Signalwirkung: Eigentlich sind Zwangslizenzen im internationalen Handelsrecht ausschließlich für Notfälle wie Epidemien und Erdbeben vorgesehen, um die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten zu gewährleisten. Nexavar ist ein Mittel gegen Leberkrebs oder fortgeschrittenen Nierenkrebs. Es wird also nicht in großen Mengen benötigt, lebensrettend ist es ebenfalls nicht - es verlängert das Überleben der Patienten um wenige Monate.