Lange Lebenszyklen machen Turbo-Evolution schwierig
Baku, den 17. September (AZERTAG). Andererseits ist die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von Korallen belegt. So überstanden Steinkorallen etwa das schlimmste Massenaussterben der Erdgeschichte vor 251 Millionen Jahren am Ende des Perm. Damals starben 95 Prozent aller Arten von Meerestieren aus. Die Frage ist nur, ob den Korallen genug Zeit für die Anpassung an steigenden Temperaturen bleibt - zum Beispiel, indem sie mit wärmeresistenteren Algen eine Symbiose eingehen. „Aber das wissen wir noch nicht genau. Selbst wenn der Ausstoß von Treibhausgasen stark vermindert würde, müssten mögliche Anpassungsmechanismen sehr schnell wirken“, sagt Forscherin Katja Frieler.
Korallen haben lange Lebenszyklen von 5 bis 100 Jahren. „Sie sind nicht wie Fruchtfliegen, die sich viel schneller evolutionär entwickeln können“, warnt Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in Australien, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.
Neben der Temperaturentwicklung stellt die Ozeanversauerung einen weiteren Risikofaktor für die Korallen dar. Meerwasser wird saurer, wenn es Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt - dies stört möglicherweise die Kalkbildung der Korallen.
„Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf die Empfindlichkeit der Korallen gegenüber der Erwärmung der Ozeane sind zwar noch umstritten. Aber in unserem Simulationen wären dann 2030 auch bei starken Emissionsreduktionen sogar 86 Prozent aller Korallenriffe geschädigt“, sagt Katja Frieler.
Auch die wachsende Verschmutzung der Meere, etwa durch Einleitung von Nährstoffen, könne den Trend noch zusätzlich negativ beeinflussen. Langfristig werde sich die Artenzusammensetzung der Riffe voraussichtlich ändern, glaubt Frieler. Es werden sich jene Korallen behaupten, die weniger wärmeempfindlich sind. „Aber wie lange diese gegenüber weiter steigenden Temperaturen resistent sind, wissen wir nicht.“