Magnetische Zöpfe heizen die äußere Sonnenatmosphäre extrem auf
Baku, den 30. Januar (AZERTAG). Der bislang detaillierteste Blick in die sogenannte Korona der Sonne liefert Wissenschaftlern eine Erklärung, warum in der äußeren Schicht der Sonnenatmosphäre Temperaturen bis zu vier Millionen Grad Celsius herrschen, während es auf der Sonnenoberfläche "nur" mehrere tausend Grad Celsius heiß ist. Die Ursache sollen.
Die Sonnenoberfläche ist rund 5500 Grad Celsius heiß. Nach außen nimmt die Temperatur jedoch auf mehrere Millionen Grad zu. Forscher spekulieren seit langem, welche Mechanismen die Sonnenatmosphäre so aufheizen.
Ein möglicher Prozess beruht auf Magnetfeldern, die ineinander verflochten sind wie Zöpfe. Wenn sie sich kurzschließen, setzen sie enorme Energiemengen in der Sonnenatmosphäre frei.
Das physikalische Phänomen wird auch als magnetische Rekonnexion bezeichnet. Dabei verändert sich die Struktur eines Magnetfeldes abrupt, wobei gigantische Mengen Energie freigesetzt werden.
Diese Rekonnexion der Magnetfeldlinien haben die Wissenschaftler nun beobachtet: ausreichend hohen Auflösung, um eine magnetische Rekonnexion direkt zu verfolgen", erläutert Koautor Leon Golub vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik in einer Mitteilung. "Wir konnten einen aktiven Sonnenfleck ins Visier nehmen und einige bemerkenswerte Aufnahmen gewinnen", ergänzt Cirtain.
Die Gruppe hatte eine neuartige Kamera, den "High-resolution Coronal Imager" (Hi-C), mit einer Rakete kurzzeitig über die Erdatmosphäre geschossen und von dort rund fünf Minuten lang in die Sonnenkorona gespäht. Das UV-Licht der Sonnenkorona wird von der Erdatmosphäre weitgehend geschluckt, daher muss ein Koronateleskop außerhalb der Atmosphäre stationiert werden.
Dank der hohen Auflösung erkannte Hi-C noch 150 Kilometer große Details in der Korona - das ist rund sechsmal besser als die zuvor schärfsten Instrumente. So konnten die Forscher sich windende Magnetzöpfe von zum Teil nur 150 Kilometer Dicke beobachten.
Peter Cargill vom Imperial College in London fordert in einem Kommentar, Hi-C oder ein ähnlich gutes Instrument auf einem Satelliten zu installieren, um die Sonnenkorona dauerhaft in hoher Auflösung zu beobachten. "Wir haben so viel in nur fünf Minuten gelernt", pflichtet Golub ihm bei. "Stellen Sie sich vor, was wir lernen könnten, wenn wir die Sonne rund um die Uhr mit diesem Teleskop beobachten könnten."