Mediziner reparieren Mäuseherz nach Infarkt
Baku, den 19. April (AZERTAG). Aus Bindegewebszellen werden Herzmuskeln. Im Körper von lebenden Mäusen haben Forscher eine faszinierende Umprogrammierung gestartet. Das Ziel: Die Tiere sollten sich nach einem Herzinfarkt schneller erholen - und der Plan ging offenbar auf.
Lange galten pluripotente Stammzellen als vielversprechendes Werkzeug einer kommenden regenerativen Medizin. Sie lassen sich umprogrammieren und zu allen Körperzelltypen weiterentwickeln. Doch dieser Ansatz ist mit Gefahren verbunden. Die Zellen entarten auch leicht, unkontrollierte Wucherungen drohen.
Deswegen arbeiten Forscher wie Li Qian vom Gladstone Institute of Cardiovascular Disease in San Francisco und ihre Kollegen daran, eine spezialisierte Körperzelle direkt in eine andere Körperzelle umzuwandeln. Und wie aktuelle Versuche zeigen, kann das nicht nur im Reagenzglas funktionieren, sondern auch im lebenden Tier.
Ob der Ansatz eines Tages auch beim Menschen zur Anwendung kommen kann, ist damit noch nicht gesagt. Interessant wäre er aber allemal. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Todesursache Nummer eins in den Industrieländern. Gleichzeitig fehlen dringend benötigte Spenderorgane, um besonders gefährdeten Patienten zu einem neuen Herzen zu verhelfen.
„Erwachsenes Herzgewebe mit körpereigenen Zellen wiederherzustellen, ist ein vielversprechender Ansatz, um Herzkrankheiten zu behandeln“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Sie berichten, wie sei in einer lebenden Maus Herzzellen umprogrammiert haben. Demnach ist es ihnen gelungen, aus Bindegewebszellen schlagende Herzmuskelzellen zu machen.
Die neuen Zellen seien voll funktionsfähig und fügten sich gut in den bestehenden Herzmuskel ein, berichten die Wissenschaftler. So habe sich der Schaden eines Infarkts beim Versuchstier innerhalb von drei Monaten teilweise beheben lassen.