Mediziner wagen Gehirnoperationen an wachen Patienten
Baku, den 12. März (AZERTAG). Moderne Technologie erlaubt Eingriffe direkt im Gehirn, Parkinson-Patienten und Depressive werden immer öfter operiert. Doch viele werden nicht geheilt, nur die Symptome unterdrückt - gravierende Nebenwirkungen können die Folge sein.
Die Tiefenhirnstimulation (THS) hat sich bereits zur Behandlung von Bewegungsstörungen wie der Parkinsonschen Krankheit etabliert. Bei dieser Therapie werden Elektroden in bestimmte Hirnbereiche eingebracht, wo sie mit elektrischen Impulsen ausgefallene oder gestörte Funktionen wiederherstellen sollen. Seit einigen Jahren weckt die Methode - auch bekannt unter dem populären Ausdruck „Hirnschrittmacher“ - Hoffnungen, man könne so auch psychische Störungen lindern. Es kursiert die Idee, mit immer kleineren Kontakten und gezielten Impulsen ließen sich geistige und emotionale Zustände manipulieren - „Enhancement“ durch elektrische Signale im Gehirn. Bestätigt haben sich solche Erwartungen bis jetzt noch keineswegs.
Der Patient ist in Vollnarkose, wenn er in den Operationssaal geschoben wird. Dort werden zwei kleine Öffnungen in seine Schädeldecke gebohrt und ein Metallring mit Schrauben im Schädel befestigt. Dieser Ring dient als Halterung für die medizinischen Instrumente, die während der Operation im Gehirn natürlich auf keinen Fall verrutschen dürfen. Nach diesen Vorbereitungen wird mit Hilfe einer Sonde ein dünner Draht durch die Bohrlöcher ins Innere des Kopfes geschoben, an dessen Ende Elektroden angebracht sind.
Nachdem die Schädeldecke geöffnet und der Metallring angeschraubt ist, werden die Patienten aus der Narkose aufgeweckt. Ihre Mitarbeit bei der Operation ist unerlässlich. Während die Sonde eingeführt wird, müssen sie den operierenden Neurologen über Körpersensationen wie Kribbeln oder Schwindelgefühle berichten. Die Ärzte achten bei diesem Vorgang zudem auf Verkrampfungen und Sprechstörungen beim Patienten und versuchen alle Informationen dazu zu verwenden, die optimale Position für die Stimulatoren zu finden.
Die Platzierung der Sonden ist buchstäblich Millimeter-Arbeit, denn das größte Risiko der Operation besteht darin, ein Blutgefäß im Hirn zu verletzen. Je nach Routine der behandelnden Hirnchirurgen liegt dieses Risiko zwischen unter einem und vier Prozent. Dass derartige Hirnoperationen überhaupt möglich sind, liegt - abgesehen von verbesserten Elektroden - an den Fortschritten der computergestützten Bildgebung. Vor der Operation wird mit Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) und Röntgenaufnahmen das Hirn des jeweiligen Patienten modelliert. Anhand dieses Modells wird dann eine Route für die Sonde mit den Elektroden errechnet, der Stichkanal, der an den wichtigen Nervenbahnen und Blutgefäßen vorbeiführen muss. Und wenn dieser Kanal bei der Operation in die weiche Hirnmasse gelegt wird, dann können die Ärzte auf Bildschirmen nicht nur das Gehirn in seinem ursprünglichen Zustand, sondern auch den Weg der Sonde in Echtzeit verfolgen.