Mutige Hirsche sterben aus
Baku, den 5. September (AZERTAG). Rothirsche, die sich bei Dämmerung auf eine Lichtung stellen, sind leichte Beute für Jäger. Doch mit jedem erlegten Hirsch verändert sich die Zusammensetzung der Art. Vor allem die mutigen Tiere verschwinden. Langfristig könnte das die Spezies gefährden, fürchten Forscher.
Auf der Lichtung grasen oder versteckt im Gestrüpp - das ist eine Charakterfrage. Vor Jägern schützen sich Rothirsche (Cervus elaphus) am besten, indem sie im Gebüsch bleiben. Doch nicht jedem Tier liegt diese Verhaltenweise. So kommt es, dass Jäger vor allem mutige Hirsche erschießen, berichten Forscher in den „Proceedings of the Royal Society B“. Verschwinden draufgängerische Rothirsche langfristig aus den Wäldern, könnte das die Überlebenschancen der gesamten Art verschlechtern.
Im Winter 2007 bestückten Wissenschaftler um Simone Ciuti von der University of Alberta 122 Rothirsche in den kanadischen Rocky Mountains mit Peilsendern und verfolgen ihre Spuren per GPS über vier Jahre hinweg bis zum Winter 2011. Von den 45 etwa zweijährigen männlichen Hirschen erschossen Jäger fünfzehn Tiere, also gut 33 Prozent. Von den 77 Hirschkühen wurden nur zehn getötet - knapp 13 Prozent.
Was also unterscheidet die getöteten Tiere von den Überlebenden und die Männchen von den Weibchen? „Wir konnten bei den Hirschen zwei Persönlichkeitstypen identifizieren“, schreibt Ciuti. Einen Typus bezeichnen die Forscher als „bold runners“ - mutige Läufer, den charakterlichen Gegenpart als „shy hiders“ und meinen damit schüchterne Tiere, die eher dazu neigen sich zu verstecken.