Nato lockt Russland zu gemeinsamer Raketenabwehr
Baku, den 20. November (AZERTAG). Die Nato will Russland zur Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr in Europa gewinnen und damit Spannungen im Verhältnis zu ihrem wichtigsten Nachbarn überwinden.
Die Staats- und Regierungschefs der 28 Nato-Staaten wollten bei ihrem am Freitagnachmittag in Lissabon beginnenden Gipfel beschließen, das ursprünglich von den USA allein geplante Abwehrsystem gemeinsam aufzubauen. Zugleich wird Russland eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Die Nato erhofft sich vom russischen Präsidenten Dmitri Medwedew schon am Samstag in Lissabon eine Zusage, dies zu prüfen. Dominierendes Thema des Gipfels ist jedoch der 2011 beginnende Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan und die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an Militär und Polizei des Landes.
Die Beratungen in Lissabon "können ein Meilenstein in der Entwicklung der Nato und in der Beziehung auf Russland sein", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin vor ihrer Abreise in die portugiesische Hauptstadt. "Ich wünsche mir, dass Russland, so weit es möglich ist, dort einbezogen wird". Dies könne eine neue Qualität in den Beziehungen zu Russland bedeuten. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte in Lissabon, die Nato und Russland könnten eine neue Stufe ihrer Kooperation erreichen und eine europäisch-atlantische Sicherheitsarchitektur schaffen.
Die Beziehungen der Nato zu Russland hatten sich in den vergangenen Jahren stark verschlechtert, insbesondere nach dem Militäreinsatz Russlands gegen Georgien 2008. Die einst unter US-Präsident George W. Bush geplante Raketenabwehr in Europa war außerdem so angelegt, dass sich Russland von der Nato bedroht fühlte. Bushs Nachfolger Barack Obama hatte das Konzept geändert und den Nato-Partnern eine Beteiligung angeboten. Der Raketenschild soll Europa gegen Mittel- und Langstreckenraketen aus mehr als 30 Ländern schützen, die über solche Waffen verfügen und Nato-Länder bedrohen könnten. Den Iran führt die Nato allerdings nicht mehr namentlich als potenziellen Aggressor auf. Die Türkei, das einzige muslimische Nato-Mitglied, ist dagegen, seinen wichtigen Handelspartner als Feind zu brandmarken.