Nicht jeder Zappelphilipp hat ADHS
Baku, den 31. März (AZERTAG). Wer zappelt, impulsiv ist und sich nicht gut konzentrieren kann, muss ADHS haben. Nach solchen Faustregeln entscheiden Jugendpsychiater häufig. Dass sie oftmals falsch liegen, zeigt eine neue Studie.
Bei Kindern und Jugendlichen wird zu häufig das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) diagnostiziert. Das haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Basel nach eigenen Angaben erstmals mit repräsentativen Daten belegt.
Danach fällen Psychotherapeuten und Psychiater ihr Urteil eher anhand von Faustregeln, statt sich eng an die gültigen Diagnosekriterien zu halten, wie die Ruhr-Uni erklärte. Bei Jungen werden demnach deutlich mehr Fehldiagnosen gestellt als bei Mädchen.
Die Wissenschaftler schrieben den Angaben zufolge 1.000 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -psychiater bundesweit an, von denen 473 an der Untersuchung teilnahmen. Sie erhielten je eine von vier unterschiedlichen Fallgeschichten und sollten eine Diagnose stellen und eine Therapie vorschlagen.
Häufig Fehldiagnosen: In drei der vier Fälle lag kein ADHS vor, nur ein Fall war mit Hilfe der geltenden Leitlinien und Kriterien eindeutig als ADHS-Störung diagnostizierbar. Auch bei den drei anderen Fällen lautete das Ergebnis trotzdem häufig ADHS.
Entschieden werde häufig nach prototypischen Symptomen, hieß es: „Der Prototyp ist männlich und zeigt Symptome von motorischer Unruhe, mangelnder Konzentration oder Impulsivität.“ Bei einem Jungen werde dann oft automatisch ADHS angenommen, bei einem Mädchen nicht. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Männer häufiger das Syndrom diagnostizieren als Frauen.