Plastikmüll sammelt sich in der arktischen Tiefsee
Baku, den 22. Oktober (AZERTAG). Forscher schlagen Alarm. Durch Wind und Strömungen weltweit verdrifteter Plastikmüll stellt ein ernsthaftes Problem dar. Plastikabfälle sammeln sich mittlerweile auf dem Meeresboden der arktischen Tiefsee.
Auf dem Meeresboden der arktischen Tiefsee sammeln sich immer mehr Plastikabfälle und anderer Müll an. Eine Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) zeigt, dass inzwischen doppelt so viel Abfall auf dem Meeresgrund liegt wie vor zehn Jahren.
Für die Studie untersuchte Bergmann rund 2100 Fotos, die bei Expeditionen mit dem Forschungsschiff Polarstern entstanden. Auf rund einem Prozent der Aufnahmen von 2002 entdeckte Bergmann Müllreste, in erster Linie Plastik; 2011 waren schon auf rund zwei Prozent der Fotos Abfälle zu sehen.
Das Aufkommen von Müll rund um das AWI-Tiefsee-Observatorium „Hausgarten“ in der östlichen Framstraße ähnele damit bereits jenen Mengen, die in Tiefseegräben nahe Lissabons gefunden wurden, schreibt die AWI-Biologin Melanie Bergmann in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins Marine Pollution Bulletin.
Eisdecke verhindert, dass Müll ins Meer weht-Bergmann vermutet, dass für den Müll der Rückgang des arktischen Meereises eine große Rolle spiele. Die arktische Meereseisdecke verhindere normalerweise, dass Müll vom Land aus ins Meer weht.
Zudem versperre es den meisten Schiffen den Weg. Seitdem die Eisdecke jedoch regelmäßig schrumpfe und dünner werde, habe der Schiffsverkehr etwa von Privatjachten und Fischereischiffen stark zugenommen, betonte die Tiefsee-Expertin.
Der Abfall könnte den Angaben zufolge langfristig die Artenzusammensetzung in der Tiefsee verändern: Einige Bodenbewohner vermehrten sich möglicherweise wegen Verletzungen an ihrer Oberfläche langsamer, andere Lebewesen, die sonst keine Lebensgrundlage gefunden hätten, könnten den Müll als Fundament zum Ansiedeln nutzen.