Russen bergen Wasser aus Urzeitsee
Baku, den 15. Januar (AZERTAG). Wenigstens 120.000 Jahre lag der Wostok-See abgeschottet von der Umwelt unter einem dicken Eispanzer; das Gewässer ist ein Relikt der Urzeit. Nun haben Geoforscher nach Berichten russischer Medien eine weitere Wasserprobe aus dem Wostok-See gehoben. Eine Analyse steht noch aus.
Im Februar 2012 hatten russische Forscher den Wostok-See angebohrt. Der See liegt fast vier Kilometer unter dem Eispanzer der Ostantarktis. Der Druck des Eises hält das Süßwasser flüssig. Die geborgene Probe sei gefroren gewesen, erklärten die Forscher den Medien zufolge. Das Wasser sei in etwa 3400 Metern in das Bohrloch geströmt und daraufhin gefroren.
Im Oktober war die Bergung der ersten Proben aus dem See bekanntgegeben worden. Die Analyse hatte ebenfalls keine Sensationen gebracht, auf Lebewesen im Seewasser sei man nicht gestoßen. Zwar habe man extrem geringe Mengen an Bakterien nachweisen können. Doch die seien vermutlich über das Bohrloch nach unten gekommen.
Gescheiterte Briten, triumphierende Russen-Wostok war der erste See, der unter dem antarktischen Eis aufgespürt wurde. Bereits in den sechziger Jahren hatten Forscher mit Radarwellen das 250 Kilometer lange und 50 Kilometer breite Gewässers aufgespürt. Der See regt die Phantasie an, schließlich hatte sein Wasser womöglich seit Millionen von Jahren keinen Kontakt zur Außenwelt.
Deswegen sind Forscher besonders interessiert an Mikroorganismen, die sich in der frostigen, stickstoff- und sauerstoffreichen Umgebung behauptet haben könnten - bei immensem Druck und minimalem Nährstoffangebot.
Auch britische Forscher bohren in der Antarktis. Sie hatten ihre Bohrung zu einem See unter dem Eis allerdings kürzlich abbrechen müssen. Der Sprit sei zur Neige gegangen, hieß es. Ob eine weitere antarktische Bohrsaison finanziert wird, ist unklar - das Projekt der Briten muss vorerst als gescheitert gelten.