Schneefall lässt Meeresspiegel schneller steigen
Baku, den 13. Dezember (AZERTAG). Mehr Schnee in der Antarktis, das bedeutet mehr gebundenes Wasser und an den Polen mehr Eis - und damit auch eine Verlangsamung des Meeresspiegelanstieges. Das war zumindest die Hoffnung vieler Klimaforscher. Doch ein neues Eismodell von Klimawissenschaftlern aus Potsdam lässt diese Hoffnung schwinden.
Ganz im Gegenteil, sagen sie. Der Schneefall könnte sich sogar negativ auf die Eisschmelze auswirken. Ein Team um Ricarda Winkelmann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung widerlegt mit seinem Computermodell die These, dass der erhöhte Schneefall den Meeresspiegel absenken könnte.
Es schneit mehr als früher-Hintergrund der Studie ist, dass es aufgrund der globalen Erwärmung mehr schneit. Denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte - und diese wird dann als Schnee wieder freigegeben. Dieses Prinzip ließ Forscher hoffen, dass der gesteigerte Schneefall in der Antarktis uns vor dem globalen Meeresspiegelanstieg retten könnte.
Dort wird durch den Schneefall Wasser aus dem Ozean auf die kontinentalen Eisflächen transportiert und damit dem Meer entzogen. Das sollte den Meeresspiegel eigentlich absenken können.
Viel Schnee gelangt schneller ins Meer- „Diese Hoffnung ist unbegründet, da durch einen dynamischen Prozess sehr viel des abtransportierten Wassers wieder ins Meer gelangt“, sagt Winkelmann, deren Studie in der aktuellen Ausgabe von „Nature“ erscheint.
Demnach gelangen 30 bis 65 Prozent des gefallenen Schnees wieder in den Ozean. Die Ursache dieses dynamischen Prozesses ist ein Höhenunterschied, der durch den Schneefall am Übergang zwischen Inlandeis und Schelfeis, der schwimmenden Verlängerung des Inlandeises, entsteht.
Da das Schelfeis zu 90 Prozent unter der Wasseroberfläche liegt, erhöht sich die Oberfläche der Schelfe bei gleichem Schneefall deutlich weniger als die des Inlandeises. Dieses liegt direkt auf dem Boden auf, weswegen die gesamte Schneemenge zur Erhöhung der Oberfläche beiträgt.
Durch die Höhendifferenz wiederum wird der Übergang vom Festlandeis zum Schelfeis steiler, und das Eis wird viel schneller in die Schelfe gedrückt. Die Folge: Der Meeresspiegel steigt. Der fallende Schnee sorgt also für weniger Eis.
„Der Eisverlust durch Schneefall ist sogar größer als der Eisverlust, der durch Oberflächenerwärmung und Schelfeisschmelze entsteht“, sagt Ricarda Winkelmann.