Schweres Erdbeben in Marokko: Zahl von Todesopfer steigt
Baku, 9. September, AZERTAC
Teile Marokkos sind in der Nacht zu Samstag von einem schweren Erdbeben der Stärke 6,8 erschüttert worden. Es gibt Hunderte Tote, das Innenministerium korrigiert die Zahlen immer weiter nach oben. Nach letztem Stand am Mittag liege die Zahl der Todesopfer bei 820.
Die US-Erdbebenwarte USGS teilte mit, das Beben habe sich in einer Tiefe von 18,5 Kilometern gut 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch und 60 Kilomter nordöstlich der Stadt Taroudant ereignet. Das Geofon des Helmholtz-Zentrums Potsdam gab die Stärke des Bebens mit 6,9 an.
Das gesamte Ausmaß des Bebens, das sich um 23 Uhr Ortszeit ereignete, ist aber weiterhin unklar. Bilder und Videos aus sozialen Netzwerken zeigen Menschen in Panik und zerstörte Gebäude. Nach Angaben des Innenministeriums liege die Zahl der Verletzten aktuell bei 672. Die Lage ist unübersichtlich, deswegen ist unklar, inwieweit die Opferzahlen noch steigen könnten.
Laut Augenzeugenberichten rannten Menschen in Marrakesch, Agadir und anderen Städten aus ihren Häusern und blieben aus Angst vor Nachbeben im Freien. Der Strom und das Telefonnetz fielen vorübergehend aus. Die Krankenhäuser in Marrakesch meldeten einen “massiven Zustrom“ von Verletzten.
“Unsere Nachbarn liegen unter den Trümmern ihrer Häuser und wir versuchen, sie mit den verfügbaren Mitteln zu retten“, berichtet Montasir Itri, ein Bewohner des Bergdorfs Asni unweit des Epizentrums. Die meisten Häuser dort seien beschädigt.
Ein Einwohner von Essaouira rund 200 Kilometer westlich vom Marrakesch sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: “Es gibt nicht allzu große Schäden, sondern eher Panik. Zum Zeitpunkt des Bebens hörten wir Schreie. Die Menschen sind auf den Plätzen und in den Cafés und ziehen es vor, draußen zu schlafen. Teile von Fassaden sind heruntergestürzt.“
“Wir spürten ein sehr starkes Zittern und ich merkte, dass es ein Erdbeben war«, sagte Abdelhak El Amrani, ein 33-jähriger Bewohner von Marrakesch, der AFP. “Ich sah, wie die Gebäude wackelten (...). Dann ging ich nach draußen, wo schon viele Menschen versammelt waren. Die Menschen standen alle unter Schock und waren in Panik. Die Kinder weinten und die Eltern waren verzweifelt“, sagte er.
Einwohner der Stadt Marrakesch berichten von eingestürzten Gebäuden in der historischen Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Menschen würden mit bloßen Händen in den Trümmern graben und auf schweres Gerät warten, sagt der Anwohner Id Waaziz Hassan. Ein anderer berichtet von Krankenwagen, die aus der Altstadt kämen.
Wie die Zeitung “Le Matin“ berichtete, war das Beben auch in Rabat und Casablanca zu spüren.
Im Jahr 2004 waren bei einem Erdbeben im Nordosten Marokkos mindestens 628 Menschen getötet und 926 verletzt worden. 1980 erschütterte ein Beben der Stärke 7,3 das benachbarte Algerien. Dabei kamen 2500 Menschen ums Leben.