Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Sechs von zehn Kindern unter 15 Jahren werden regelmäßig geschlagen

Baku, den 3. September (AZERTAG). Schläge, Vergewaltigungen, Misshandlungen und ständige Angst: So sieht der Alltag von Millionen Kindern auf der ganzen Welt aus. Die Unicef hat die Situation von Mädchen und Jungen in 190 Ländern der Welt untersucht - und große regionale Unterschiede festgestellt.

Sechs von zehn Kindern unter 15 Jahren werden dem Unicef-Bericht zufolge regelmäßig geschlagen. 120 Millionen Mädchen unter 20 Jahren wurden Unicef zufolge schon Opfer sexueller Gewalt. Kinder werden besonders häufig von Menschen aus ihrem näheren Umfeld misshandelt und missbraucht.

Der Schmerz kommt von Kochlöffeln, Gürteln und Stöcken, manchmal sogar Peitschen und meistens einfach nur der Hand: Eine Milliarde Kinder auf der Welt wird regelmäßig geschlagen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kinderhilfswerks Unicef in 190 Ländern. Die Ergebnisse der Untersuchung, nach Angaben der Autoren der größten zu dem Thema überhaupt, sind erschreckend: Weltweit wird geschlagen und terrorisiert, vergewaltigt und misshandelt. Und die Opfer sind die Schwächsten: Kinder.

Etwa 60 Prozent aller Kinder zwischen zwei und 14 Jahren werden dem Bericht zufolge regelmäßig geschlagen. Jedes sechste Kind erfahre die gefährlichste Form solcher Bestrafungen - Schläge auf den Kopf oder besonders harte Schläge. Gleichzeitig würden aber nur 30 Prozent der Eltern weltweit sagen, Körperstrafen seien notwendig in der Erziehung.

Diese Zahl wird allerdings höher, je geringer der Bildungsstand ist. Im Jemen zum Beispiel sei mehr als die Hälfte der Mütter mit geringer Ausbildung der Überzeugung, Schläge gehörten zur Erziehung dazu; bei denen mit besserer Schulbildung seien es nur 21 Prozent. Fast die Hälfte aller jungen Frauen ist laut Studie der Meinung, in manchen Fällen sei es gerechtfertigt, wenn ein Mann seine Ehefrau schlage. In afrikanischen Ländern liege der Wert deutlich über 50 Prozent, in Mittel- und Osteuropa seien es noch 28 Prozent. Bei Jungen ist der Wert meist höher, aber: In 28 Ländern glaubten mehr Mädchen als Jungen, dass eine Ehefrau geschlagen werden dürfe.

Deutschland hat nur sehr geringe Werte, wenn es um Schläge gegen Kinder geht. Sie liegen etwas unter Österreich und Spanien und deutlich unter denen Frankreichs. Aber immerhin jedes elfte deutsche Elternpaar hat sein Kind schon einmal „schwer geschlagen“, jedes 20. gar mit einem Gegenstand. Mehr als zwei Drittel gaben an, den „Klaps auf den Po" schon mal verteilt zu haben.

„Verborgen in aller Öffentlichkeit" nennt Unicef deshalb auch seinen Bericht. „Das sind unbequeme Fakten. Keine Regierung und auch keine Mutter und kein Vater will sie hören“, sagte Unicef-Chef Anthony Lake. "Aber wenn wir die Öffentlichkeit nicht mit diesen lästigen Fakten behelligen, werden wir nie eine Änderung in den Köpfen erzielen. Denn viele denken immer noch, Gewalt gegen Kinder ist normal und entschuldbar. Das ist es nicht.“

Finden Kinder denn gar keinen Schutz? Nicht einmal in ihrer Familie, der Schule, ihrer engsten Gemeinschaft? Dem Bericht zufolge sind genau das die Tatorte. Die Gewalt, auch und gerade die sexuelle, kommt fast immer von jemandem, den die Kinder kennen. 120 Millionen Mädchen unter 20 Jahren wurden Unicef zufolge schon Opfer sexueller Gewalt. Es geht um "erzwungenen Geschlechtsverkehr oder andere erzwungene sexuelle Akte". Und tatsächlich kommen die Täter fast immer aus dem engsten Umkreis - meistens sind es sogar die eigenen Väter, Brüder, Onkel und Ehemänner.

Doch was der Bericht auch offenbart, sind erhebliche regionale beziehungsweise kulturelle Unterschiede. Von den 18 Ländern Schwarzafrikas, von denen es zuverlässige Daten gebe, liege die Quote vergewaltigter Mädchen in 13 Ländern bei mehr als zehn Prozent. In Mittel- und Osteuropa seien es hingegen weniger als ein Prozent.

Auch Jungen werden Opfer sexueller Gewalt, allerdings seltener. Auch hier sind die Täter in aller Regel bekannte Menschen. Gerade in afrikanischen Ländern sei die Zahl sehr hoch, aber auch in der Schweiz und in den USA hätten Studien erschreckende Daten ergeben. Unicef zählt allerdings auch zu sexueller Gewalt, wenn Jugendliche von anderen im Internet gedemütigt werden.

 

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