Suchexpedition meldet Trümmerfund im Pazifik
Baku 18. August (AZERTAG). Ein Schuh, ein Aluminiumstück, ein unscharfes Foto - mit diesen Hinweisen hat eine Expedition die Suche nach dem Wrack der verschollenen Flugpionierin Amelia Earhart wieder aufgenommen. Die Auswertung von Videomaterial aus den Tiefen des Pazifiks gibt ihnen Hoffnung.
75 Jahre später sucht erneut eine Expedition der Universität Hawaii nach Überresten der zweimotorigen Lockheed Electra und ihrer Crew. Nach Ansicht der Forscher der Internationalen Gruppe zum Auffinden historischer Flugzeuge (Tighar) konnte Earhart noch das einsame Pazifikatoll Nikumaroro erreichen. Mit unbemannten Robotervehikeln suchten die Experten im Juli das Areal in der Republik Kiribati ab und nahmen jede Menge Videos in Tiefen bis zu 1500 Meter auf. Zurück im 2900 Kilometer entfernten Honolulu, haben sie inzwischen das Material zu 30 Prozent analysiert.
Noch sei es zu früh, um Genaueres zu sagen, erklärte Richard Gillespie, Gründer und Direktor der Tighar-Stifung, am Freitag, „aber wir haben an der Stelle ein Trümmerfeld aus künstlichen Objekten gefunden, wo wir das Flugzeug vermuteten.“ Die Forscher hoffen, dass dies Überreste der verschollenen Lockheed Model 10 Electra seien. Eine Größenangabe könne er nicht machen, sagte der Direktor, auf den Videobildern sei nichts, was man zum Vergleich heranziehen könne.
Am Sonntag wird der Discovery-Kanal einen Dokumentarfilm über die 1,78 Millionen Euro teure Expedition zeigen. Auch erste Ausschnitte des Videomaterials sollen laut Gillespie gezeigt werden.
Ein Schuh und ein unscharfes Foto-Auf einer Expedition vor zwei Jahren hatte die Tighar-Stiftung auf Nikumaroro Fragmente gefunden, die zu dem Flugzeug gehört haben könnten: ein Stück Aluminium und ein ungewöhnlich geformtes Stück Plexiglas, ein zerlegtes Taschenmesser, ein zerbrochenes Glastöpfchen, Knöpfe und ein Frauenschuh mit einer Sohle der Marke „Cat's Paw“, die in den dreißiger Jahren populär war und der Earharts Fußbekleidung ähnlich sah.
Ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto, drei Monate nach Earharts Verschwinden von einem großen Schiffswrack vor der Insel aufgenommen, hatte für diese Suchaktion einen weiteren Hinweis gegeben. Mit neuer Technik haben Experten auf dem Foto ein winziges Objekt am Bildrand als mögliches Fahrgestell einer Electra identifiziert. Dort hat Gillespie das Riff jetzt unter Wasser abgesucht.
Zunächst waren die Forscher jedoch enttäuscht: „Wir hatten gehofft, große Wrackteile würden sofort sichtbar, aber als wir die Unterwasserlandschaft sahen, war klar, dass das unrealistisch war“, sagt Gillespie. „Das Riff fällt steil ab, es wird von Stürmen gebeutelt und es passieren oft Erdrutsche.“ Einer davon hätte fast das ferngesteuerte Robotervehikel mitgerissen.
Hans Van Tilburg, Meeresarchäologe bei der US-Ozeanografiebehörde NOAA, sieht die Entdeckung skeptisch. „Der pazifische Ozean ist eine hochenergetische Umgebung, und das Flugzeug, nach dem sie suchen, war sehr zerbrechlich“, sagte er, „daher ist es sehr schwierig, etwas zu finden und zu identifizieren. Man sucht nach zerbrochenen Stücken.“