Unicef: Jeder dritte Internetnutzer ist heute jünger als 18 Jahre
Baku, 12. Dezember, AZERTAC
In seinem Jahresbericht hat Unicef die Folgen der Digitalisierung für Kinder und Jugendliche analysiert. Zwar hebt das Uno-Kinderhilfswerk ausdrücklich den Nutzen digitaler Technologien für benachteiligte Kinder hervor. Mädchen und Jungen, die in Armut, in entlegenen Regionen der Entwicklungsländer oder in Krisengebieten aufwachsen, bekämen dadurch Chancen für Lernen und Bildung.
So haben Lehrer und Schüler über das Internet Zugang zu Büchern und Arbeitsmaterialien, die ihnen ansonsten nicht zur Verfügung stünden. In Afghanistan etwa könnten Mädchen, die das Haus nicht verlassen dürfen, zu Hause online lernen. Mittels Handy und Computer seien Kinder in Flüchtlingslagern mit der Welt in Verbindung.
Allerdings hätten einige Regierungen mit den Auswirkungen des technologischen Wandels nicht mitgehalten, heißt es in dem Bericht. Dadurch wachse die Gefahr, dass Millionen ohnehin Benachteiligter noch weiter zurückgelassen werden.
Drei von fünf Jugendlichen in Afrika sind offline - Jeder dritte Internetnutzer ist heute laut Unicef jünger als 18 Jahre. Zugleich hätten aber geschätzt 29 Prozent der jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren keinen Internetzugang. 346 Millionen Heranwachsende in den Entwicklungs- und Schwellenländern seien von der digitalen Welt ausgeschlossen. Vor allem in Afrika und in arabischen Staaten seien viele junge Leute unfreiwillig offline.
Diese "digitale Kluft" beim Zugang zum Internet verfestige eine "Informationsarmut" besonders bei benachteiligten jungen Menschen.
In den Industrieländern nutzen demnach 81 Prozent der Menschen das Internet, in den ärmsten Ländern der Erde nur 15 Prozent. Weit mehr als die Hälfte aller Webseiten sind auf Englisch verfasst, viele Heranwachsende können die Inhalte Unicef zufolge nicht verstehen.
Kinderpornographie und Menschenhandel - Das Netz erleichtere zudem sexuellen Missbrauch von Jungen und Mädchen und habe neue Wege des Kinderhandels eröffnet, warnte das Kinderhilfswerk. Politik und Wirtschaft müssten mehr tun, um die "Generation online" zu schützen und zu stärken.
"Nie war es so einfach, kinderpornografische oder andere verbotene Foto- oder Videomaterialien herzustellen und zu verbreiten", bilanziert Unicef. Dazu gehörten auch Livestreams von sexuellem Missbrauch Minderjähriger. Allein 2016 seien fast 57.350 Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten registriert worden. Rund 90 Prozent der einschlägigen Webseiten waren in Frankreich, Kanada, den Niederlanden, Russland und den USA ansässig.
Zudem seien Kinder oft mit gewalttätigen und rassistischen Inhalten sowie mit Hass-Propaganda konfrontiert, oder sie könnten potenziell gefährliche Kontakte zu Unbekannten schließen. Die fortschreitende Vernetzung verschlimmere auch Phänomene wie Mobbing. Viele Eltern in Industrieländern fürchteten, dass intensive Internetnutzung ihrer Kinder zu Isolation und Depressionen führen könne.
Kinder gehörten ins Zentrum der Digitalpolitik, forderte Unicef-Direktor Anthony Lake. "In einer digitalen Welt besteht die doppelte Herausforderung, die Gefahren zu vermindern und den Nutzen des Internets für jedes Kind zu vergrößern."
Alle müssten bezahlbaren Zugang zu guten Online-Angeboten erhalten. Es brauche mehr öffentliche Hotspots, die Kosten für den Internetzugang müssten gesenkt werden. Wichtig sei es, digitale Kompetenzen früh zu fördern. Die Bekämpfung von Missbrauch und Ausbeutung im Netz müsse intensiviert werden.