Welche Therapien eine OP bei Rheuma verhindern
Baku, den 21. März (AZERTAG).Werden entzündete Gelenke frühzeitig behandelt, kann der Griff zum Skalpell heute oftmals vermieden werden - dank neuer maßgeschneiderter Therapien.
Bewegung ja, Belastung nein. Wer unter Gelenkrheuma leidet, sollte seine Muskeln unter Anleitung auch weiterhin trainieren, um Fehlstellungen des Gelenks zu verhindern. Therapieknete etwa ist für die Hände jedoch eine Belastung und kann die Fehlstellung sogar fördern.
Was besonders stört, sind Einschränkungen bei einfachsten Handgriffen. Man kann nicht richtig fest zupacken. Beim Umgang mit schweren und harten Gegenständen tut man sich immer wieder weh.
Auch bestimmte Bewegungen seien kaum noch möglich, weil sie zu schmerzhaft sind. Schon die Drehbewegung beim Öffnen von Schraubverschlüssen auf Flaschen und Gläsern werde zur Herausforderung.
Wie bei vielen Rheumapatienten sind bei ihr vor allem die Hände betroffen. Die Schleimhäute der Hand- und Fingergelenke sind chronisch entzündet. Solche Entzündungen sind sehr aggressiv. Sie greifen die Knorpeloberflächen an und machen den Bandapparat kaputt, erläutert Prof. Stefan Renhart von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie in Wiesbaden.
Rheumatismus oder auch kurz Rheuma ist ein eigentlich veralteter Begriff, unter dem alle reißenden und ziehenden Schmerzen der Knochen und Gelenke zusammengefasst wurden. Heute werden verschiedene rheumatische Erkrankungen unterschieden.
Rheumatoide Arthritis wird oft auch als Polyarthritis bezeichnet. Gemeint sind damit Entzündungen, die gleichzeitig in fünf oder mehr Gelenken auftreten. Über die Ursachen diskutieren die Experten noch. Ob Bakterien beteiligt sind, ist umstritten.
Die Gelenke werden labil und verrutschen. Außerdem kommt es durch die Entzündungen zu Wasserergüssen, die Gelenke und Sehnenscheiden anschwellen lassen. Wegen der Schmerzen verfallen Betroffene oft in Schonhaltungen. Das vergrößert das Problem, weil Muskeln und Gelenke nicht richtig bewegt werden. Die Gefahr dauerhafter Verformungen steigt.
Rheumatische Erkrankungen sind nicht heilbar. Durch eine mosaikartige Therapie kann es aber gelingen, die Krankheit in den Griff zu bekommen versichert Renhart. Die sogenannte Basistherapie müsse sich aus mehreren Bausteinen zusammensetzen: aus Medikamenten und Salben, Ergotherapie und Krankengymnastik.
Diese Maßnahmen dienen alle dem Ziel, Operationen zu vermeiden, solange es geht. Durch neue Medikamente sei das inzwischen besser möglich als noch vor zehn Jahren. Werde die Erkrankung früh erkannt, können rapide und schubweise Verschlechterungen gut verhindert werden. Manchmal sei es gar möglich, nach einiger Zeit wieder auf Medikamente zu verzichten.
Betroffene bemerken vor allem die Schwellungen an den Gelenken. Später kommen Schmerzen und Steifheit hinzu, manchmal verändert sich die Haut. Wenn die Symptome sechs Wochen anhalten, sollte unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden. Wichtig ist, so früh und umfassend in die Therapie einzusteigen wie möglich.