WHO lehnt Zensur der Supervirus-Daten ab
Baku, den 18. Februar (AZERTAG). Die Debatte über das hochgefährliche, im Labor gezüchtete Grippevirus geht weiter: Das US-Gremium für Biosicherheit rät dringend zu einer Zensur der Studienergebnisse. Die WHO jedoch fordert eine vollständige Veröffentlichung aller Daten - aber auf keinen Fall sofort.
Es ist das umstrittenste Forschungsprojekt dieser Tage. Eines, das etliche Fragen nach sich zieht: Wie weit dürfen Wissenschaftler gehen? Dürfen sie ein Grippevirus künstlich im Labor erschaffen, das nicht nur extrem aggressiv, sondern auch höchst ansteckend ist - und so zur weltweiten Gefahr werden könnte? Und wenn ja, dürfen die wissenschaftlichen Ergebnisse auch publik gemacht werden?
Im Fall der Erforschung einer hochgefährlichen Vogelgrippevirus-Variante, die von niederländischen und US-amerikanischen Forschern im Labor gezüchtet wurde, zögert die Fachwelt seit Monaten, diesen Schritt zu gehen. Aus Angst vor dem möglichen Missbrauch der Daten durch Bioterroristen, und aus Angst, das Virus könnte auch innerhalb der Forschergemeinde in die falschen Hände geraten und aus den Hochsicherheitslaboren entfleuchen.
In die Debatte hat sich jüngst auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeschaltet. Zwei Tage lang brütete ein erlauchter und anonymer Expertenkreis in Genf darüber, wie man wohl am besten mit den Forschungsresultaten umzugehen habe.
Am Freitagabend gab WHO-Sonderberater Keiji Fukuda die Ergebnisse aus den Beratungen in einer telefonischen Pressekonferenz bekannt: Ja, sagte Fukuda, bei allen Mitgliedern der WHO-Gruppe herrsche Konsens darüber, dass die Daten vollständig und vollumfänglich veröffentlicht werden sollten. Zwar sei es jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür, aber eine Zensur oder Kürzung der Daten lehne man ab.
Die WHO forderte mehr Zeit - und eine Verlängerung des Moratoriums, das sich die Virologen-Gemeinde kürzlich auferlegt hatte: 60 Tage lang wollte man mit den Arbeiten an dem neuen und gefürchteten H5N1-Virus pausieren. Die WHO bittet nun um eine Verlängerung dieser Pause.