WHO warnt vor dramatischer Demenz-Ausbreitung
Baku, den 11. April (AZERTAG). 66 Millionen Demenzkranke weltweit - bis zum Jahr 2030 wird sich die Zahl der an Alzheimer und ähnlichen Störungen leidenden Menschen nahezu verdoppeln, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Experten befürchten, dass dies die Gesundheitssysteme massiv überfordern wird.
In vielen Ländern sei das öffentliche Interesse an der Behandlung der Krankheit und die Bereitschaft zur Hilfe für die Betroffenen immer noch sehr gering, beklagte Marc Wortmann, Direktor von Alzheimer's Disease International (ADI), einem Verband von Alzheimer-Organisationen, der maßgeblich an der Demenz-Studie beteiligt war.
Da die Ausbreitung von Demenz aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung stark zugenommen habe, seien die Gesundheitssysteme „schlicht überfordert“, so Wortmann. Weltweit werde alle vier Sekunden eine Demenzerkrankung diagnostiziert. Neben der Bürde für die Betroffenen und ihre Angehörigen sei Demenz auch ein „sozialer und wirtschaftlicher Alptraum“.
Bessere Früherkennung nötig - „Wir müssen unsere Möglichkeiten verbessern, Demenz frühzeitig zu erkennen und die notwendige medizinische und soziale Fürsorge zu gewähren“, sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Oleg Chestnov. Ein großes Problem sei der Mangel an zuverlässigen Diagnose-Möglichkeiten. Selbst in reichen Ländern werde Demenz in bis zur Hälfte aller Fälle erst viel später erkannt, als dies eigentlich heute möglich wäre.
Von Demenz seien Menschen in allen Ländern der Welt betroffen, heißt es in dem Bericht. 58 Prozent der Patienten lebten in Ländern mit geringen bis mittleren Einkommen und würden nur vergleichsweise schlecht versorgt.
Die WHO-Studie bestätigt frühere Berechnungen in Deutschland, wonach die Pflege von Demenzkranken immer höhere Kosten verursacht. Weltweit werden sie laut WHO bereits auf jährlich 460 Milliarden Euro geschätzt. In der Bundesrepublik braucht ein Demenzkranker nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK pro Monat im Schnitt gut 500 Euro mehr von den Pflege- und 300 Euro mehr von den Krankenkassen als ein durchschnittlicher Versicherter.