Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Wie Forscher der Rinderpest den Garaus machten

Baku, den 17. September (AZERTAG). Über Jahrhunderte vernichtete die Rinderpest ganze Herden, vor allem in Afrika wütete die Seuche und raubte Bauern die Existenz - bis Forscher die Plage ausmerzten. Jetzt zeigt eine Studie, mit welchen Strategien die Wissenschaft über die Krankheit triumphierte.

Zwei Krankheiten konnten bisher durch internationale Impfkampagnen ausgerottet werden: 1960 erklärte die Weltgesundheitsorganisation das Ende der Pocken. Und 2011 markiert den offiziellen Schlussstrich unter die Rinderpest. Im Wissenschaftsmagazin „Science“ erklären Forscher, welche Methoden schließlich den Sieg über die Krankheit ermöglichten. Diese Aufarbeitung soll helfen, künftig ebenso erfolgreich gegen andere Seuchen vorzugehen.

Obwohl das Virus den Menschen nicht infiziert, galt die Rinderpest über Jahrhunderte als schwere Plage. Denn verbreitete sich der Erreger unter Rindern und anderen Wiederkäuern, starben bis zu 90 Prozent der Tiere. Für Bauern, deren Existenz eng mit deren Wohl verknüpft war, konnte das den Ruin bedeuten. In Asien und Europa stellte die Rinderpest seit Jahrtausenden ein Problem dar.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Krankheit nach Afrika eingeschleppt, wo sie sich rasend schnell über den gesamten Kontinent verbreitete. Das Virus traf wildlebende Giraffen, Büffel, Gnus und Antilopen - und Nutztiere. Der Verlust der Herden führte in vielen Staaten zu Hungersnöten. In Äthiopien starb ein Drittel der Bevölkerung, berichtet das Interafrican Bureau for Animal Resources.

Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung-Schon die ersten Anstrengungen zur Eindämmung einer Tierseuche in Europa galten der Rinderpest - sie wurden bereits im 17. Jahrhundert unternommen. Doch lange konnten auch die besten Veterinäre nichts gegen die Krankheit tun. Hatte sich ein Tier erst einmal infiziert, gab es keine wirksame Behandlung. Man konnte nur versuchen, die Ansteckung zu verhindern.

Frühe Versuche, die Rinderpest in Afrika einzudämmen, hätten dann Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung mit sich gebracht, wie die Forscher um Jeffrey Mariner von der Tufts Cummings School of Veterinary Medicine in North Grafton (USA) schreiben. In den siebziger Jahren galt die Krankheit nach jahrelangen Impfprogrammen auch in Afrika als fast ausgerottet, nur in abgelegenen Gebieten im Sudan und in Mali gab es noch Fälle. Doch damit hatte die Seuche offenbar zu früh ihren Schrecken eingebüßt. Die letzten Schritte zur Ausrottung blieben aus - und die Rinderpest kehrte im folgenden Jahrzehnt zurück.

Ein ab 1992 verfügbarer Impfstoff war schließlich das Mittel, die Seuche endgültig zurückzudrängen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war er auch über längere Zeit bei Umgebungstemperatur stabil, musste also nicht dauerhaft gekühlt werden.

Doch diese Innovation allein hätte nicht gereicht, so das Fazit der Forscher. Entscheidend war, wie die Impfungen auf lokaler Ebene organisiert wurden. Neben Veterinären kamen auch Helfer zum Einsatz, die eine Schulung erhielten, wie sie Tiere impfen. So konnte dieses Impfprogramm auch abgelegene Orte erreichen, die vorher immer durch das Raster gefallen waren und so dem Virus ein Rückzugsgebiet geboten hatten.

Auch band man die Bauern vor Ort stärker ein. Schließlich wussten sie am besten, wie es ihren Tieren ging. Sie wussten auch, wann welche Herde durch welches Gebiet zog - und damit, wie sich die Viren wieder verbreiten könnten. Die Bauern selbst hätten die Behörden auf einige der letzten Rinderpest-Ausbrüche aufmerksam gemacht, schreiben die Forscher.

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