Wie Gentests die Krebstherapie verbessern
Baku, den 16. Februar (AZERTAG). Pharmakonzerne setzen auf Gentests zur Behandlung der Patienten. Sie können die immensen Kosten für Krebstherapien senken und den Erfolg steigern.
Als bei Apple-Gründer Steve Jobs 2004 ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse diagnostiziert wurde, stellten seine Ärzte zunächst eine vernichtende Prognose. Er solle seine Angelegenheiten in Ordnung bringen, viel Zeit bliebe ihm nicht. Doch Jobs schaffte es, seinem Krebs bis 2011 stets einen Schritt voraus zu bleiben. Das gelang ihm - natürlich - mit dem Einsatz von Hightech, wie Jobs seinem Biografen Walter Isaacson erklärte.
Der geniale Entrepreneur investierte eine sechsstellige Summe dafür, dass Forscher der Elite-Universitäten Stanford und Harvard die Gene seiner Krebszellen sequenzierten und so den genauen Subtyp seiner Erkrankung feststellten. So wussten Jobs Ärzte schon vor Therapiebeginn, welche Medikamente wirken könnten und welche nicht. „Ich bin entweder einer der ersten, der diesem Krebs davonläuft, oder einer der letzten, der daran stirbt“, kommentierte Jobs den Therapieansatz gegenüber Isaacson.
Jobs gehörte zur zweiten Gruppe, er starb im Herbst 2011, und noch immer ist sein Krebs nicht einfach heilbar. Doch der Therapieansatz, Tumorzellen vorab mittels Gentest spezifisch zu untersuchen, setzt sich trotzdem durch: Inzwischen sind die ersten Medikamente auf dem Markt, die zusammen mit einem Gentest verschrieben werden - nur wenn der Patient zum Medikament passt, wirkt es auch.
Personalisierte Medizin nennen das die beteiligten Pharmaunternehmen, sie erhoffen sich von der Technologie den entscheidenden Schritt im Kampf gegen diverse Krebsarten - und Milliardenumsätze daraus. Langfristig, so rechnet eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2011 vor, könnten bis zu 20 Prozent aller Medikamente mit Tests kombiniert werden, bis zu 200 Mrd. Euro jährlich soll das Geschäft mit der Gen-Diagnostik dann weltweit einbringen.
Denn was im Fall von Jobs noch des Vermögens eines IT-Milliardärs bedurfte, kostet inzwischen je nach Testaufwand nur noch ein paar hundert bis ein paar tausend Euro. Möglich wird dieser Schritt erst durch die Automatisierung und Industrialisierung der Gentest-Technologie. Mehrere tausend kleine Testphiolen aus Plastik werfen die Produktionsautomaten in den hermetisch versiegelten Werkshallen der Firma Qiagen pro Stunde aus.
Jede der zentimetergroßen, milchig-durchsichtigen Mini-Reagenzgläser enthält eine Testsubstanz sowie einen eingebauten Filter. Eine Werkshalle weiter auf dem Gelände in Hilden im Rheinland bauen die Gentech-Spezialisten den passenden Automaten zu den Plastik-Phiolen in Kleinserie. „QIAsymphony heißt unser Gerät, es ist gewissermaßen das erste iPad für die Biotechnologie“, erklärt Qiagen-Chef Peer Michael Schatz.